Nach 20 Sanktionsrunden: EU sieht erste Risse in Russlands Wirtschaft
Wachsende Indikatoren wie Kontraktion, steigendes Haushaltsdefizit und hohe Zinslast deuten auf Belastungen hin; Brüssel drängt auf verschärfte Maßnahmen gegen Öltransporte.
Nach Angaben von EU-Vertretern und russischen Behörden zeigen sich nach 20 Sanktionsrunden zunehmende Anzeichen wirtschaftlicher Belastung in Russland. Zwischen Januar und März schrumpfte die Wirtschaft um 0,3 Prozent, was nach Angaben des Ministeriums für wirtschaftliche Entwicklung die erste Quartalskontraktion seit Anfang 2023 wäre.
Gleichzeitig hat sich das öffentliche Defizit auf rund 60 Milliarden US-Dollar ausgeweitet und damit das für das Jahr gesetzte Ziel übertroffen. Die Inflationsrate liegt bei fast 6 Prozent, während die Zentralbank den Leitzins bei 14,5 Prozent hält. Der Aktienmarkt hat seit März an Boden verloren, und die Notenbank warnte vor spürbaren Arbeitskräftemängeln.
In Brüssel gelten diese Indikatoren als Bestätigung, dass die Sanktionen Wirkung entfalten. Die EU-Kommissionspräsidentin sprach von einem beißenden Effekt, und mehrere europäische Minister bewerteten die Entwicklung als Zeichen einer sich vertiefenden Krise. Vor diesem Hintergrund treibt die Union die Koordination weiterer Maßnahmen voran, darunter ein vorgeschlagenes gemeinsames Verbot maritimer Dienstleistungen für russische Öltanker, um Transportkosten zu erhöhen und Einnahmen zu schmälern.
Die Debatte um zusätzliche Beschränkungen für den Öltransport wird durch kurzfristige Marktverwerfungen erschwert. Die Schließung der Straße von Hormus hatte Russland im März einen zusätzlichen Ölerlös von 19 Milliarden US-Dollar gebracht, nach 9,7 Milliarden US-Dollar im Februar. Brüssel verfolgt das Ziel, den zuvor beobachteten Rückgang des Urals-Preises wiederherzustellen und zugleich Schattenflotten sowie Angriffe auf Exportinfrastruktur zu bekämpfen.
Analysten und Diplomaten mahnen zur Vorsicht: Trotz der wachsenden Belastungen zeigt die russische Führung bislang keine Bereitschaft zu Zugeständnissen am Verhandlungstisch. Die EU hält deshalb weitere Schritte für erforderlich, um den Druck zu erhöhen und die ökonomischen Handlungsspielräume Moskaus weiter einzuschränken.