Michelin‑Koch Jason Atherton eröffnet Häuser im Ausland, um britische Betriebe gegen hohe Steuern zu stützen
Atherton verlagert Teile seines Geschäfts ins Ausland, um Belastungen durch steigende Abgaben in Grossbritannien auszugleichen; Branche beklagt hohe Mehrwertsteuer und gestiegene Betriebskosten.
Nach Angaben des Kochs Jason Atherton baut er gezielt Restaurants im Ausland auf, weil die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Grossbritannien die Profitabilität seiner Betriebe zunehmend unter Druck setzen. Aktuell bereitet er die Eröffnung von Maria’s in Forte dei Marmi an der toskanischen Küste vor; das Lokal entsteht im Principessa‑Hotel und wird von seinem langjährigen Küchenchef Giorgio Cicero geleitet.
Im Mittelpunkt seiner Strategie steht nach seinen Worten nicht die Flucht aus Grossbritannien, sondern die Finanzierung der britischen Häuser durch Gewinne aus dem Ausland. Atherton, der bereits Betriebe in Städten wie Dubai und St. Moritz betreibt, sagte, es sei in vielen Ländern einfacher, Gewinne zu erzielen, weil dort Belastungen und Steuersätze weniger erdrückend wirkten. Er räumte ein, einige seiner britischen Restaurants schrieben derzeit Verluste, weshalb er bei Inlandseröffnungen deutlich vorsichtiger vorgehe als noch vor fünf oder sechs Jahren.
Nach dem Schritt, international zu expandieren, betonte Atherton die konkreten Kostentreiber, die viele Gastronomen aktuell belasteten. Business Rates seien gestiegen, nachdem coronabedingte Erleichterungen weggefallen seien; zudem hätten höhere Arbeitgeberabgaben die Kosten der Personalbeschaffung erhöht. Gleichzeitig nannte er die in Grossbritannien vergleichsweise hohe Mehrwertsteuer auf Gastronomie, die bei 20 Prozent liege, und verwies darauf, dass andere europäische Länder niedrigere Sätze zuließen.
Zugleich teilen Branchenvertreter die Einschätzung, dass die Steuer- und Kostenbelastung Wettbewerbsnachteile gegenüber Kontinentaleuropa schaffe. Kate Nicholls, Vorsitzende von UKHospitality, verweist darauf, dass höhere Umsatzsteuern und steigende Betriebskosten das Führen von Restaurants in Grossbritannien schwieriger machten. Atherton sagte, er fordere keine Subventionen, sondern lediglich eine faire Chance, seine Betriebe am Leben zu erhalten.