JKCM News
Startseite
Amerika

New York Times weist Verleumdungsdrohung Netanyahus gegen Kolumnisten zurück

Reaktion auf Nicholas Kristofs Kolumne über angebliche sexuelle Gewalt gegen Palästinenser: Zeitung weist die angedrohte Klage als unbegründet zurück

JKCM News 2 Min Lesezeit
Titelbild: New York Times weist Verleumdungsdrohung Netanyahus gegen Kolumnisten zurück
Die New York Times sieht die Ankündigung einer Klage durch die israelische Führung als Versuch, unabhängigen Journalismus zu diskreditieren und einzuschränken.

Nach Angaben geriet die New York Times unter Druck, nachdem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Außenminister Gideon Saar die Einleitung einer Verleumdungsklage wegen einer Kolumne von Nicholas Kristof angekündigt hatten. Die Regierung bezeichnete den Beitrag in einer gemeinsamen Erklärung als eine der hässlichsten und verzerrtesten Lügen gegen Israel und warf der Zeitung vor, sich auf nicht verifizierte Quellen gestützt zu haben, die Verbindungen zu Hamas-nahen Netzwerken hätten.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht Kristofs am Montag veröffentlichter Text, der Berichte über systematische sexuelle Gewalt gegen palästinensische Gefangene schildert. Der Kolumnist bezog sich demnach auf Gespräche mit 14 Personen, die Übergriffe durch Soldaten, Siedler, Vernehmer und Gefängniswärter behaupteten, und brachte unmittelbare Schilderungen mutmaßlicher Opfer sowie Verweise auf frühere Untersuchungen von NGOs und Medienberichte ein.

Zugleich wies die New York Times die angekündigte Klage als unbegründet zurück und kritisierte die Maßnahme als Teil eines wiederholten Vorgehens, das unabhängige Berichterstattung untergraben und Journalisten stigmatisieren solle, wenn deren Arbeit nicht in eine bestimmte politische Erzählung passe. Die Zeitung betonte demnach, jede entsprechende Rechtsforderung wäre ohne Grundlage.

Daneben bleibt unklar, welche konkreten rechtlichen Schritte sich aus der Ankündigung ergeben könnten. Die New York Times erklärte, Konsequenzen eines gerichtlichen Vorgehens seien unbegründet; zum Zeitpunkt der Stellungnahmen lagen keine bestätigten Hinweise auf eingeleitete Verfahren vor. Die Debatte verdeutlicht damit nicht nur die Spannungen um die berichteten Vorwürfe, sondern auch die Schwierigkeiten, Anschuldigungen in einem hochpolitisierten Umfeld juristisch zu klären.