Ölmarkt: Zwischen Iran Risiko und OPEC+ Strategie spricht die Bilanz für Überangebot
Die Preise tragen kurzfristig eine geopolitische Prämie, doch die großen Agenturen sehen 2026 einen deutlichen Lageraufbau, und damit ein Fundament, das eher nach unten als nach oben zeigt, sobald die Ausfälle nachlassen.
Zusammenfassung
- Brent schloss am 13. Februar bei 67,75 Dollar, WTI bei 62,89 Dollar, die Woche endete leicht negativ, obwohl Inflationsdaten die Risikostimmung stützten.
- Die IEA erwartet 2026 ein Nachfrageplus von 850.000 Barrel pro Tag, zugleich einen Überschuss von rund 3,73 Millionen Barrel pro Tag, eine sehr komfortable Versorgungslage.
- Die EIA sieht ebenfalls hohe Lageraufbauten, im Schnitt 3,1 Millionen Barrel pro Tag in 2026, und prognostiziert einen Brent Jahresdurchschnitt von 58 Dollar, trotz kurzfristiger Ausfall Effekte im Jänner.
- OPEC ist deutlich optimistischer bei der Nachfrage und sieht für 2026 eher eine knappe Bilanz, je nach OPEC+ Förderpolitik, ein zentraler Konflikt der Prognosen.
- OPEC+ diskutiert laut Reuters, ab April wieder schrittweise Quotenanhebungen zuzulassen, die Gruppe trifft sich am 1. März, Entscheidung offen.
Warum der Markt im Jänner bullisch wirkte
Die IEA beschreibt einen klassischen Schock Mix. Strenges Winterwetter drückte die Förderung in Nordamerika, dazu kamen Ausfälle und Export Einschränkungen, unter anderem aus Kasachstan, Russland und Venezuela. Die weltweite Versorgung fiel im Jänner laut IEA um 1,2 Millionen Barrel pro Tag auf 106,6 Millionen.
Parallel lief die geopolitische Lage heiß. Die IEA verweist auf steigende Spannungen zwischen den USA und Iran, dazu eine US Empfehlung an Schiffe, iranische Gewässer beim Transit durch die Straße von Hormuz zu meiden. Solche Hinweise reichen, um physische Käufer nervös zu machen, selbst wenn real noch nichts ausfällt.
In diese Gemengelage passt, dass Dated Brent im Jänner laut IEA um rund 10 Dollar pro Barrel stieg und um 73 Dollar gehandelt wurde. Das ist weniger ein Zeichen knapper struktureller Versorgung, sondern ein Preis für Unsicherheit.
Die große Bilanz 2026, Lageraufbau dominiert das Bild
Sobald der Markt aus dem Wetter und Ausfall Modus herauskommt, wird die Bilanz wieder zur Leitplanke. Die IEA erwartet 2026 nur moderates Nachfragewachstum von 850.000 Barrel pro Tag, getragen komplett von Nicht OECD Volkswirtschaften, China bleibt wichtig, aber weit unter dem langjährigen Tempo. Auffällig ist der Trendwechsel innerhalb der Nachfrage, petrochemische Feedstocks sollen mehr als die Hälfte des Wachstums liefern, während Transportkraftstoffe weniger dominieren als im Jahr davor.
Auf der Angebotsseite rechnet die IEA nach dem Jänner Einbruch mit einer Erholung und einer globalen Produktionssteigerung auf 108,6 Millionen Barrel pro Tag in 2026, plus 2,4 Millionen, ungefähr halb von OPEC+ und halb von Nicht OPEC+.
Die EIA zeichnet ein ähnliches Bild, sie erwartet, dass Produktion das Wachstum der Nachfrage übertrifft und Lagerbestände steigen, im Schnitt 3,1 Millionen Barrel pro Tag in 2026. In dieser Logik ist der Brent Preisrückgang in Richtung 58 Dollar im Jahresmittel nachvollziehbar, auch wenn einzelne Wochen deutlich darüber liegen können.
OPEC gegen IEA, das ist der Prognose Konflikt
Der Markt bekommt aktuell zwei Erzählungen. Die IEA warnt vor einem großen Überschuss, Reuters nennt 3,73 Millionen Barrel pro Tag. OPEC dagegen sieht robustere Nachfrage und publizierte Daten, die für das zweite Quartal eher einen kleinen Überschuss andeuten, und für das Gesamtjahr 2026 sogar eine Unterdeckung, wenn die Gruppe nicht deutlich mehr pumpt.
Warum die Differenz so wichtig ist, zeigt der Kalender. Acht OPEC+ Mitglieder pausierten Anhebungen im ersten Quartal 2026, treffen sich am 1. März und entscheiden über April. Laut Reuters tendiert die Gruppe aktuell eher dazu, die Anhebungen ab April wieder aufzunehmen, um mit Blick auf die Sommernachfrage Marktanteile zu sichern.
Das bedeutet, die OPEC+ Entscheidung ist nicht nur ein Preistreiber, sie ist ein Test, ob die Gruppe dem eigenen Nachfrage Optimismus folgt oder ob sie der IEA Bilanzlogik doch mehr Gewicht gibt.
Sanktionen, Flüsse, und die oft unterschätzte Rolle von Lagerhaltung
Der Ölmarkt ist nicht nur Angebot und Nachfrage, er ist auch Logistik und Politik. Die IEA nennt für 2025 einen massiven globalen Lageraufbau, 477 Millionen Barrel über das Jahr, zusätzlich stiegen Lager im Dezember und vorläufig auch im Jänner weiter. Besonders wichtig, chinesische Rohöllager bauten kräftig auf, und Öl auf dem Wasser nahm stark zu, ein großer Teil davon sanktioniertes Öl.
Russland ist ein weiteres Beispiel, die IEA berichtet für den Jänner einen Rückgang der russischen Lieferungen, Indien importierte laut IEA nur noch rund 1,1 Millionen Barrel pro Tag russisches Rohöl, deutlich weniger als im Vorjahr, während China mehr aufnahm. Flüsse verschieben sich, ohne dass global Öl verschwindet, das beeinflusst Preis und Prämien regional.
Venezuela ist aktuell ein potenzieller Angebotshebel. Reuters berichtet, die USA lockerten am 13. Februar Sanktionen und gaben Lizenzen, die Aktivitäten internationaler Energieunternehmen erleichtern sollen. Die EIA verweist ebenfalls auf erweiterte Lizenzen und erwartet, dass die Produktion Richtung zweites Quartal 2026 wieder das Niveau vor der Blockade erreicht.
Risiken
Die größte Aufwärtsgefahr bleibt eine echte Unterbrechung in der Straße von Hormuz oder eine Eskalation, die Infrastruktur oder Exporte im Golf trifft, selbst die EIA nennt das als zentralen Unsicherheitsfaktor.
Auf der Unterseite liegt das Risiko in der Kombination aus schwächerer Nachfrage und einem OPEC+ Kurs, der Marktanteil priorisiert. Wenn die Gruppe im Frühjahr erhöht und zugleich Nicht OPEC Produzenten liefern, kann das IEA Szenario schneller Realität werden als viele derzeit einpreisen.
Szenarien
Im Basisszenario bleibt der Markt in einer Bandbreite, geopolitische Prämien kommen und gehen, die Bilanz drückt aber mittelfristig, weil Lager wachsen, das spricht eher für fallende Durchschnittspreise.
Im positiven Preisszenario eskalieren Iran Risiken oder es kommt zu neuen, echten Ausfällen, dann kann Brent kurzfristig deutlich über den aktuellen Bereich hinaus, auch wenn das strukturelle Überangebot im Hintergrund bleibt.
Im negativen Preisszenario enttäuscht die Nachfrage, China reduziert strategische Käufe, OPEC+ erhöht trotzdem, dann wird der Lageraufbau zum dominanten Thema und drückt Preise Richtung der EIA Annahmen.
Was als Nächstes wichtig wird
Der 1. März ist der erste harte Termin, OPEC+ muss festlegen, ob die Quoten ab April wieder steigen. Parallel werden die nächsten Monatsberichte von IEA und OPEC, sowie die EIA Aktualisierungen, zeigen, ob die Nachfrageannahmen weiter auseinanderlaufen oder sich annähern. Und geopolitisch bleibt entscheidend, ob die Gespräche und Signale zwischen USA und Iran deeskalieren oder ob das Hormuz Risiko wieder aufschlägt.