Opposition in Ungarn stürzt Viktor Orbán nach 16 Jahren an der Macht
Péter Magyars Tisza-Partei erringt klaren Wahlsieg und erreicht nach vorläufigen Auszählungen eine verfassungsändernde Mehrheit im Parlament.
- Mit prognostizierten 138 Sitzen endet Orbáns 16-jährige Regierungszeit
- Brüssel und führende EU-Politiker reagieren erleichtert.
Nach Angaben offizieller Auszählungen hat die oppositionelle Tisza‑Partei unter der Führung von Péter Magyar die Parlamentswahl in Ungarn für sich entschieden. Bei 98,74 Prozent der Stimmen ausgezählt wurde Tisza auf 138 der 199 Sitze projiziert, was der Partei eine verfassungsändernde Supermehrheit verschafft. Dieses Mandatsverhältnis würde Tisza in die Lage versetzen, zentrale Gesetzesänderungen und Verfassungsreformen durchzusetzen.
Weniger als drei Stunden nach Schließung der Wahllokale räumte Ministerpräsident Viktor Orbán seine Niederlage ein und gratulierte dem Wahlsieger. Er kündigte an, seine Partei Fidesz künftig aus der Opposition zu führen. Nach den Projektionen entfielen auf Fidesz 55 Sitze; die extrem rechte Partei Mi Hazánk erhielt demnach sechs Mandate.
Zugleich löste das Ergebnis rasche internationale Reaktionen aus. Führende EU‑Politiker hoben die Bedeutung der Wahl für den pro‑europäischen Kurs hervor, und mehrere Staats- und Regierungschefs gratulierten dem Wahlsieger und signalisierten Gesprächsbereitschaft. Beobachter weltweit hatten das Ergebnis auch als Prüfung für das internationale Erstarken rechter Bewegungen gewertet, weil Orbán in den vergangenen Jahren ein Vorbild für mehrere rechtsnationale Kräfte gewesen war.
In den Tagen vor der Abstimmung hatten prominente Unterstützer für Orbán, darunter internationale Figuren aus dem konservativen und populistischen Spektrum, öffentlich Rückhalt gezeigt. Reaktionen aus Kiew fielen ambivalent aus: Präsident Wolodymyr Selenskyj bekundete Bereitschaft zur Zusammenarbeit, während Magyar zuvor Vorbehalte gegenüber Waffenlieferungen und beschleunigten EU‑Beitrittsprozessen für die Ukraine geäußert hatte. Diese Differenzen dürften die außenpolitischen Prioritäten eines künftigen Tisza‑Regimes prägen.
In Budapest strömten Zehntausende Anhänger zu Feierlichkeiten entlang der Donau, nachdem Magyar seinen Sieg ausrief und die Wählerschaft als Motor der politischen Wende beschrieb. Die genaue Zusammensetzung der künftigen Regierungsgremien und das Tempo möglicher Rechtsänderungen bleiben zentrale Folgefragen. Vor allem die Frage, wie schnell und in welchem Umfang getroffene Entscheidungen rückgängig gemacht oder reformiert werden, gewinnt nun an Bedeutung.