Pakistan meldet Angriffe auf Lager in Afghanistan nach Serie von Anschlägen
Pakistan hat nach eigenen Angaben sieben Lager und Verstecke bewaffneter Gruppen auf afghanischem Gebiet angegriffen und fordert von den Taliban Schritte gegen grenzüberschreitenden Terror.
- Die Regierung spricht von gezielten Angriffen auf sieben Lager und Verstecke entlang der Grenze.
- Als Auslöser nennt Islamabad mehrere Selbstmordanschläge, darunter in Islamabad sowie in Bajaur und Bannu.
- Die Taliban werfen Pakistan eine Verletzung der Souveränität vor und sprechen von zivilen Opfern, die zunächst nicht unabhängig zu verifizieren waren.
- Pakistan verlangt, dass bewaffnete Gruppen afghanisches Territorium nicht als Rückzugsraum nutzen können.
Pakistan hat in der Nacht auf Sonntag nach eigenen Angaben mehrere Ziele in Afghanistan angegriffen. In einer Erklärung hieß es, es habe sich um „intelligence-based“ Einsätze gegen insgesamt sieben Lager und Verstecke gehandelt. Die Regierung stellte den Schritt in einen direkten Zusammenhang mit einer Reihe von Anschlägen in Pakistan in den vergangenen Tagen. Gleichzeitig verband Islamabad die Angriffe mit der Forderung an die Taliban-Regierung in Kabul, bewaffneten Gruppen den Rückzugsraum auf afghanischem Gebiet zu entziehen.
Die pakistanische Seite bezeichnete die betroffenen Gruppen als grenzüberschreitende Bedrohung und verwies auf „schlüssige Hinweise“ auf Planungen und Steuerung aus Afghanistan. In den offiziellen Aussagen wurde das Vorgehen als begrenzt und auf konkrete Ziele ausgerichtet beschrieben; Details zu genauen Orten, eingesetzten Waffensystemen oder der Zahl der Getroffenen wurden zunächst nicht veröffentlicht. In Pakistan wird seit Längerem argumentiert, dass Teile der militanten Infrastruktur in Grenzregionen Afghanistans liegen und Anschläge in pakistanischen Städten und Provinzen unterstützen.
Die Taliban reagierten mit scharfer Kritik und sprachen von einer Verletzung der afghanischen Souveränität. Aus Kabul hieß es, bei den Angriffen seien Menschen getötet und verletzt worden; nach Taliban-Angaben handelte es sich dabei auch um Zivilisten. Unabhängige Bestätigungen zu den Opferzahlen und zur Identität der Getroffenen lagen in den ersten Stunden nicht vor. Die gegenseitigen Vorwürfe trafen auf eine ohnehin angespannte Lage entlang der Grenze, in der beide Seiten immer wieder von Übergriffen, Beschuss und dem Untertauchen militanter Kämpfer in schwer kontrollierbaren Gebirgsregionen berichten.
Der Schritt erhöht den Druck auf die ohnehin fragile Beziehung zwischen Pakistan und den Taliban. Islamabad hat in den vergangenen Monaten wiederholt verlangt, dass die afghanische Führung gegen Gruppen vorgeht, die Pakistan als Sicherheitsrisiko einstuft. Kabul weist die Vorwürfe zurück und betont, sein Territorium werde nicht für Angriffe auf Nachbarstaaten genutzt. Gleichzeitig bleibt das Risiko einer Eskalation bestehen: Jede grenzüberschreitende Operation kann Gegenreaktionen auslösen, die politische Kontakte einfrieren und die Sicherheitslage in Grenzprovinzen weiter verschärfen. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob beide Seiten den Konflikt über diplomatische Kanäle zu begrenzen versuchen oder ob eine Serie von Vergeltungsschritten die Dynamik bestimmt.