Paris tauschte in zwölf Jahren Autos gegen Fahrräder und veränderte städtischen Raum grundlegend
Unter Bürgermeisterin Anne Hidalgo setzte Paris konsequent auf Radverkehr, Grünflächen und Einschränkungen für Autos. Die Maßnahmen veränderten Straßenbilder und stießen zugleich auf deutlichen Widerstand aus dem motorisierten Lager.
Im Mittelpunkt der städtischen Umgestaltung von Paris in den vergangenen zwölf Jahren stand die Vorrangstellung des Fahrrads und die Rückgewinnung öffentlichen Raums. Die Stadt schuf mehrere hundert Kilometer neuer Radwege, baute segregierte Spuren in dicht besiedelten Vierteln und wandelte zahlreiche Parkplätze in Grünflächen sowie Terrassenflächen für Cafés und Bars um. Für viele Bewohner veränderte dies das Alltagsgefühl und das Bild ganzer Viertel nachhaltig.
Gleichzeitig intensivierte die Kommune die Begrünung: Rund 155.000 neu gepflanzte Bäume ergänzten das Straßennetz, und etwa 300 Schulstraßen wurden für den motorisierten Verkehr reduziert oder ganz geschlossen. An den Ufern der Seine wurde der Autoverkehr untersagt; die Flächen wurden stattdessen für Fußgänger und Radfahrer geöffnet. Bewohner berichten, dass Kinder in diesen Bereichen inzwischen ohne das alltägliche Vorhandensein von Autos aufwachsen.
Unterdessen blieben die Maßnahmen nicht ohne Gegenwehr. Der Wegfall von Fahrbahnen und Parkflächen rief Kritik bei Autofahrern hervor; einige konservative Stimmen beschrieben die Umgestaltungen als unübersichtlich und belastend für die Nutzung öffentlicher Räume. Abstimmungen über zusätzliche Parkgebühren für SUV-Fahrer und weitere Verkehrsbeschränkungen erreichten nur geringe Wahlbeteiligung, was die Debatte über die demokratische Legitimation einzelner Schritte anfachte.
Daneben zeigt sich ein Wechsel in der Nutzung des Radverkehrs: Menschen, die vor einem Jahrzehnt das Rad in Paris mieden, schildern heute ein deutlich sichereres Netz in bestimmten Vierteln und beteiligen sich teils aktiv in zivilgesellschaftlichen Kampagnen für den Radverkehr. Beobachter sehen in der Pariser Entwicklung ein Beispiel für eine ambitionierte Städtepolitik, die Durchsetzungsstärke erforderte und zugleich politische Kontroversen über Mobilität und die Verteilung öffentlichen Raums provozierte.