Polizisten im Auftrag von ICE versuchen ohne Papiere Zugang zu Cincinnati‑Schulen – Empörung in der Gemeinde
Beamte aus Gratis und einer etwa 50 Meilen entfernten Dienststelle suchten Mitte April Schüler in drei Schulen in Cincinnati auf, offenbar im Auftrag von ICE; Schulleitungen verweigerten den Zugang, zwei Beamte wurden beurlaubt.
Nach Angaben von Schulpersonal und Gemeindemitgliedern suchten am 15. April Polizisten aus Gratis, Ohio, sowie ein Kollege einer rund 50 Meilen entfernten Dienststelle mehrere Schulen im Westen Cincinnatis auf, offenbar um im Namen der US‑Einwanderungsbehörde ICE sogenannte wellness checks vorzunehmen. Die Besuche fanden in Price Hill statt, einem Viertel mit hoher latino Bevölkerungsdichte, und betrafen nach Angaben der Schulen unter anderem die Roberts Academy und die Western Hills University High School.
Schulmitarbeiter berichteten, die Beamten hätten eine Liste mit rund 30 Namen vorgezeigt und gefragt, ob Personen davon an der Western Hills School eingeschrieben seien; zwei Einträge seien bestätigt worden. Die Polizisten traten demnach mit sichtbaren Dienstwaffen auf und hätten nicht mitgeteilt, dass sie für ICE handelten. Weil sie keine Haftbefehle oder sonstige Papiere vorlegten, verweigerten die Schulleitungen den Zugang zu den Kindern.
Zugleich lösten die Vorfälle scharfe Kritik aus. Cincinnatis Bürgermeister Aftab Pureval nannte das Vorgehen tief beunruhigend. Rechte‑ und Einwanderungsgruppen warnten vor einer Einschüchterung verletzlicher Gemeinschaften und wiesen darauf hin, dass Einsätze von lokal beauftragten Beamten an Schulen nur unter engen Bedingungen und innerhalb der eigenen Zuständigkeit zulässig sind.
ICE und das Department of Homeland Security hatten in den vergangenen Monaten Programme zur Überprüfung von Fällen unbegleiteter Minderjähriger gestartet. In einer Stellungnahme betonte die Behörde, Schulen würden nicht systematisch für Durchsetzungsmaßnahmen angesteuert; lokale Partner hätten versucht, Einschreibungen zu verifizieren und das Wohlergehen zu prüfen. Auf die Frage, ob künftig zusätzliche Vorgaben geplant seien, ging die Sprecherin nicht weiter ein.
Einer der eingesetzten Beamten ist Tonina Lamanna, einer 17‑jährigen Veteranin des Dienstes; Berichten zufolge war sie 2017 von einer anderen Dienststelle entlassen worden, weil ihr mangelnde Wahrhaftigkeit und das Einreichen falscher Unterlagen vorgeworfen worden waren. Lamanna und der begleitende Officer Jeff Baylor wurden nach dem Vorfall vom Gratis Police Department beurlaubt. Die Gemeindeverwaltung kündigte eine Untersuchung sowie eine Sitzung an, um die Abläufe und Zuständigkeiten zu klären.