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Verurteilung eines Vaters in Georgia stellt neue Haftungsgrenzen nach Schulmassakern infrage

Die Verurteilung von Colin Gray wegen Mordes, obwohl er nicht geschossen hat, stellt neue Fragen zur strafrechtlichen Verantwortung von Eltern nach Schulmassakern.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Verurteilung eines Vaters in Georgia stellt neue Haftungsgrenzen nach Schulmassakern infrage
Reihe seltener Fälle, in denen Eltern wegen Zugang zu Waffen und Hinweisen auf Gewalt für die Taten ihrer Kinder belangt wurden.

Nach Angaben örtlicher Ermittler und Gerichtsakten wurde im März ein 54-jähriger Mann aus Georgia wegen Mordes verurteilt, knapp zwei Jahre nachdem sein 14-jähriger Sohn an einer Highschool zwei Schülerinnen und zwei Lehrer getötet und neun weitere Menschen verletzt haben soll. Der Angeklagte, Colin Gray, habe selbst nicht geschossen und sei zum Tatzeitpunkt nicht in der Schule gewesen, trägt jedoch in diesem Verfahren die volle strafrechtliche Verantwortung.

Im Mittelpunkt der Anklage standen laut den Unterlagen neben Mordvorwürfen auch fahrlässige Tötung und Kindeswohlgefährdung; insgesamt lautete die Anklage auf 29 Punkte. Der Angriff hatte sich am 4. September 2024 an der Apalachee High School in Winder ereignet. Ermittler hatten bereits im Vorjahr Hinweise auf Online-Drohungen des Jugendlichen dokumentiert; Gray hatte damals eingeräumt, Schusswaffen im Haushalt zu besitzen und mit seinem Sohn regelmäßig schießen zu gehen. Sieben Monate später, so die Anklage, schenkte er dem Sohn zu Weihnachten ein Gewehr.

Nach dem Schritt, diesen Vater strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen, wird der Fall als der zweite seiner Art in den USA gewertet: Zuvor waren Jennifer und James Crumbley in Michigan in einem Verfahren im Zusammenhang mit einem Schulmassaker verurteilt worden. Ihr damals 15-jähriger Sohn hatte im November 2021 vier Schüler getötet; die Eltern wurden wegen fahrlässiger Tötung schuldig gesprochen und zu Haftstrafen von zehn bis fünfzehn Jahren verurteilt. Der Vergleich der Fälle hat die Debatte über elterliche Verantwortung nach Schulschießereien neu belebt.

Zugleich betonen Rechtsexperten, dass die Verfolgung von Eltern neue rechtliche Fragen aufwirft, etwa nach dem richtigen Maß von Vorhersehbarkeit und Schuld sowie danach, ob strafrechtliche Sanktionen für Eltern tatsächlich zur Verringerung von Schulgewalt beitragen. Einige Fachleute sehen in den Anklagen eine präventive Absicht: Eltern sollen zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit Waffen bewegt werden, um künftige Taten zu verhindern. Andere warnen vor einer Ausweitung der Haftbarmachung ohne klare rechtliche Leitplanken.

Gleichzeitig bleibt für Gray das Strafverfahren nicht abgeschlossen: Die endgültige Urteilsverkündung ist für Ende Juli angesetzt. Kumuliert drohen ihm Strafen von bis zu 180 Jahren Haft, sollte das Gericht sämtliche verhängten Strafen additiv berücksichtigen.