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Riccione erwirbt Villa Mussolini, um Eigentum vor 'faschistischen Nostalgikern' zu bewahren

Der Gemeinderat von Riccione erwarb die historische Villa bei einer Auktion, um sie öffentlich zu erhalten; die linke Bürgermeisterin kündigt kulturelle Nutzung und offene Aufarbeitung an.

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Titelbild: Riccione erwirbt Villa Mussolini, um Eigentum vor 'faschistischen Nostalgikern' zu bewahren
Die einst von Mussolinis Familie genutzte Villa soll als öffentliches Kulturzentrum erhalten bleiben und ihre Geschichte offen thematisieren.

Der Gemeinderat der Adriaküste-Stadt Riccione hat die sogenannte Villa Mussolini bei einer Auktion zurück in öffentliche Hand geholt. Bürgermeisterin Daniela Angelini bezeichnete den Kauf als Akt der Liebe und der Vision und wertete die Transaktion als einen Sieg für die Gemeinde. Die Entscheidung fiel, nachdem ein privater Bieter mit Vergangenheit in der neofaschistischen Italienischen Sozialbewegung ebenfalls Interesse am Anwesen gezeigt hatte.

Die Villa, ursprünglich 1893 erbaut und 1934 von Rachele Mussolini erworben, diente Benito Mussolini als Sommerresidenz. Während seiner Aufenthalte nutzte der Diktator das Haus Berichten zufolge auch für Regierungsgeschäfte; die Familie ließ das Gebäude ausbauen, sodass es später über zwanzig Räume und einen Tennisplatz verfügte. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Immobilie in öffentliche Hand über und wurde in den 1950er- und 60er-Jahren für unterschiedliche gewerbliche Zwecke genutzt, darunter eine Tierarztpraxis und ein Restaurant.

In den Jahrzehnten danach blieb die Villa umstritten: In den späten 1970er-Jahren wollte ein kommunistischer Bürgermeister sie abreißen lassen, und das Gebäude verfiel zeitweise. Ende der 1990er-Jahre erwarb die Cassa di Risparmio von Rimini das Anwesen, sanierte es und öffnete es 2005 für Kunstausstellungen, öffentliche Veranstaltungen und zivile Trauungen. Die Entscheidung der Stiftung, die Villa jüngst zu versteigern, entfachte in Riccione erneut eine Debatte über den Umgang mit diesem belasteten historischen Erbe.

Angelini kündigte an, den Namen Villa Mussolini beizubehalten und das Haus als gemeinschaftlichen Kultur- und Veranstaltungsort zu nutzen. Geplant seien Ausstellungen und Veranstaltungen, die die positiven wie die negativen Facetten des 20. Jahrhunderts thematisieren sollen, damit die demokratischen Werte der Stadt deutlich sichtbar bleiben. Die Bürgermeisterin betonte, das Anwesen dürfe nicht verherrlichend genutzt werden, sondern müsse historisch aufgearbeitet werden.

Der Stadtrat hatte 2025 zudem Benito Mussolini die Ehrenbürgerschaft aberkannt; Angelini unterstrich, dass die Bewahrung der Villa nicht gleichbedeutend mit Verherrlichung sei. Vielmehr solle das Haus als Ort des Erinnerns und des Diskurses dienen, an dem Geschichte sichtbar gemacht und kritisch reflektiert werde. Die künftige Nutzung soll nach ihren Worten das gemeinschaftliche Leben der Stadt bereichern und zur öffentlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit beitragen.