Schimmerndes Handwerk: Perlmuttmanufaktur in Felling feiert 115 Jahre
Die RM Perlmuttdesign GmbH in Felling wird seit fünf Generationen von der Familie geführt und hat trotz Flussregulierung und der Plastikoffensive der 1960er Jahre überdauert.
Nach Angaben des Firmenchefs Rainer Mattejka besteht die RM Perlmuttdesign GmbH in Felling seit 115 Jahren und wird inzwischen in fünfter Generation geführt. In dem Betrieb werden Muscheln aus Zuchtfarmen in Australien und Indonesien zu Knöpfen und Schmuck verarbeitet; die Manufaktur gilt als die einzige ihrer Art in Österreich.
Im Mittelpunkt der Firmengeschichte stehen mehrere einschneidende Umbrüche. Früher gab es in Österreich rund 98 Perlmuttbetriebe, in Europa etwa 600; allein im Ortsbereich von Felling existierten einst drei Manufakturen. Ein besonders gravierender Einschnitt folgte mit dem Bau der Talsperre Vranov 1934: Die dadurch veränderten Wasserverhältnisse führten laut Darstellung des Betriebs dazu, dass die heimischen Thaya‑Muscheln im Bereich Hardegg nicht mehr vorkommen.
Zugleich veränderte die Einführung von Kunststoffknöpfen in den 1960er Jahren das Marktumfeld nachhaltig. Der Familienbetrieb erlebte in seiner Geschichte starke Schwankungen bei der Beschäftigtenzahl: In den 1960er und 1970er Jahren arbeiteten zeitweise bis zu 50 Personen dort, die damals nach Firmenangaben bis zu sechs Millionen Knöpfe jährlich in Handarbeit fertigten. Der Großvater der heutigen Inhaber hatte den Betrieb zwischenzeitlich auf bis zu 60 Beschäftigte ausgeweitet, musste sie jedoch kurz darauf entlassen und führte das Geschäft Jahre lang allein weiter.
Inzwischen hat sich ab 1993, als Rainer Mattejka in das Unternehmen einstieg, eine zweite Säule entwickelt: Ab 2005 öffnete die Manufaktur schrittweise für Besucher. Die Zahl der Gäste stieg von rund 1.000 im ersten Jahr auf etwa 15.000; das Angebot umfasst einen Shop, eine Ausstellung historischer Werkzeuge inklusive einer Maschine aus dem Gründungsjahr 1911, Schmuckpräsentationen und einen Fotopunkt mit einem Perlmuttknopf in fünf Komma drei Metern Durchmesser.
Daneben bleibt die handwerkliche Produktion ein Kernstück des Geschäfts. Neben Schmuck fertigt die Manufaktur weiterhin Knöpfe für Bekleidungsgeschäfte und Maßschneidereien, wobei traditionelle Techniken beibehalten werden. Zur Saison 2026, die am 1. April begann und bis 24. Juli dauert, wird ein Nachlass auf den Eintrittspreis gewährt.
Unterdessen setzt die Manufaktur ihr Alleinstellungsmerkmal als Ausflugsziel in der Nationalparkgemeinde Hardegg gezielt ein. Die Betreiber betonen die abgelegene Lage im Waldviertel und weisen darauf hin, dass Besucher eine gezielte Anfahrt benötigen. So verbindet das Angebot lokale Industriegeschichte mit touristischer Attraktion und hält ein seltenes traditionelles Handwerk in Österreich lebendig.