Selenskyj warnt vor weiterem großangelegten russischen Luftangriff
Der ukrainische Präsident ruft die Bevölkerung zu erhöhter Wachsamkeit bei Luftalarmen auf. Behörden melden Tote und Verletzte; zugleich zeigen sich wirtschaftliche Folgen wie gestiegene russische Rohölexporte und Treibstoffengpässe auf der Krim.
Nach Angaben aus Kiew warnte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner abendlichen Ansprache vor einem möglichen erneuten großangelegten russischen Luftangriff und forderte die Bevölkerung eindringlich auf, auf Luftalarme zu achten. Seine Rede folgte auf eine Serie von Angriffen mit Hunderten Drohnen und Dutzenden Raketen, die nach Behördenangaben in mehreren Regionen zu schweren zivilen Verlusten geführt haben.
Im Mittelpunkt der jüngsten Berichte stehen die humanitären Folgen: Die Zahl der Todesopfer stieg demnach auf 22, zudem wurden mehr als 100 Menschen verletzt. Besonders schwer traf es die Stadt Dnipro, wo die Behörden angeben, in einer Nacht 16 Menschen getötet zu haben; im weiteren Tagesverlauf habe Artillerie- oder Raketenbeschuss zusätzliche Verletzte gefordert. Diese Vorfälle unterstreichen die akuten Risiken für Zivilbevölkerung und kritische Infrastruktur.
Zugleich zeichnen sich spürbare ökonomische Nebenwirkungen ab. Als Reaktion auf ukrainische Drohnenangriffe auf russische Raffinerien haben russische Exporteure nach Angaben von Brancheninsidern die Rohölausfuhren über Westhäfen deutlich erhöht: Im Mai sollen die Ausfuhren im Monatsvergleich um 15 Prozent auf rund 2,5 Millionen Barrel pro Tag gestiegen sein. Hintergrund sei, dass beschädigte inländische Raffinerien große Mengen Rohöl nicht verarbeiten könnten, weshalb Russland verstärkt auf Exportwege ausweichen müsse.
Inzwischen wirken sich diese veränderten Exportströme auch auf die regionale Versorgung aus. Auf der von Russland annektierten Krim meldeten lokale Behörden Engpässe bei der Treibstoffversorgung; der dortige Gouverneur rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Einschränkungen werden in den Berichten mit Schäden an Liefer- und Verarbeitungsinfrastrukturen in Verbindung gebracht, die durch die Angriffe entstanden seien.
Daneben zeigt sich eine direkte Verbindung zwischen militärischer Eskalation und wirtschaftlichen Anpassungen: Ausfälle in Raffinerien zwingen zu Umleitungen von Ölströmen und verändern kurzfristig Handels- und Logistikmuster für Energieprodukte in der Region. Währenddessen bleibt die Sicherheitslage angespannt und stellt weiterhin unmittelbare Gefahren für Zivilisten und Infrastrukturanlagen dar.