Studie: Kinofilme werden länger – breite Veröffentlichungen und Actionfilme treiben die Laufzeiten
Analysen von Stephen Follows zeigen, dass besonders breite Kinoveröffentlichungen und teure Blockbuster heute deutlich länger laufen als vor zwei Jahrzehnten. Der Anteil kurzer Filme ist deutlich gesunken.
Nach Angaben des Forschers und Branchenanalysten Stephen Follows bestätigt eine umfassende Datenauswertung die weit verbreitete Wahrnehmung: Kinofilme sind tendenziell länger geworden. Follows untersuchte die Laufzeiten von 36.431 Kinofilmen, die zwischen 1980 und 2025 erschienen sind, und identifizierte klare Verschiebungen, vor allem bei breiten Veröffentlichungen und großen Produktionen.
Im Mittelpunkt der Analyse steht der Unterschied zwischen dem Gesamtdurchschnitt aller Filme und den sogenannten wide theatrical releases. Während die durchschnittliche Laufzeit aller ausgewerteten Werke über Jahrzehnte bei etwa 100 bis 103 Minuten lag und 2024 bei 103,6 Minuten lag, zeigt die engere Blickrichtung auf breite Kinoauswertungen deutliche Zuwächse: In den 1990er und frühen 2000er Jahren betrug ihr Mittel rund 106 Minuten, im aktuellen Jahrzehnt liegt es bei etwa 114 Minuten.
Zugleich hat sich der Anteil sehr kurzer Filme verringert. In den 1980er Jahren liefen rund 13 Prozent der breiten Veröffentlichungen unter 90 Minuten; in den 2020er Jahren beträgt dieser Anteil noch etwa sieben Prozent. Besonders ausgeprägt ist die Verlängerung bei Produktionen mit hohen Budgets (mehr als 100 Millionen Dollar) sowie im Actiongenre, dessen mittlere Laufzeit inzwischen bei rund 128 Minuten liegt — ungefähr 25 Minuten länger als vor einigen Jahrzehnten.
Daneben illustrieren konkrete Beispiele die Entwicklung innerhalb großer Franchises: So lagen die Laufzeiten früherer Klassiker deutlich unter denen aktueller Fortsetzungen. Titel aus etablierten Reihen wie Indiana Jones, Mission: Impossible und James Bond haben sich teils um mehrere Dutzend Minuten verlängert; auch moderne Großproduktionen führen die Liste sehr langer Spielzeiten an.
Inzwischen dehnen sich nicht nur die Hauptfilme: Auch Vorfilme, Werbung und Trailer vor dem Hauptprogramm haben an Umfang gewonnen und beanspruchen häufig zwischen 20 und 30 Minuten. Zu den aktuellen Kassenerfolgen und preisgekrönten Filmen zählen mehrere Beispiele mit Laufzeiten deutlich über zwei Stunden, was die allgemeine Länge moderner Kinoerlebnisse noch verstärkt.
Nach dem Schritt zur Interpretation hält Follows keine einfache Einzelursache bereit, sondern verweist auf mehrere mögliche Treiber. Die Zahlen zeigen jedoch eine klare Tendenz: In der Breite sind Kinofilme heute länger als noch vor zwei Jahrzehnten, mit besonders deutlichen Verschiebungen bei Blockbustern und Actionproduktionen.