Trump wechselt von scharfen Vorwürfen zur Bekräftigung von Artikel 5 beim Nato‑Gipfel
Nach einem Morgen scharfer Vorwürfe gegenüber Verbündeten zeigte US‑Präsident Donald Trump am Ende des Nato‑Gipfels in Ankara wieder ein Bekenntnis zur kollektiven Verteidigung und unterzeichnete die Abschlusserklärung mit 31 weiteren Regierungschefs.
Die Kernentwicklung: US‑Präsident Donald Trump stimmte in den finalen Stunden des Nato‑Gipfels in Ankara einer gemeinsamen Gipfelerklärung zu, die das eiserne Bekenntnis zu Artikel 5 bekräftigt, nachdem er zuvor Verbündete scharf kritisiert hatte. Die Abschlusserklärung wurde von ihm und 31 weiteren Staats‑ und Regierungschefs unterzeichnet und markierte damit formal den Abschluss des zweitägigen Treffens.
Im Mittelpunkt der Debatten stand Trumps abruptes Umschwenken in Ton und Botschaft. Am Morgen hatte er Verbündete wegen zu geringer Verteidigungsausgaben angegriffen, ihnen mangelnde Unterstützung bei Einsätzen gegen Iran vorgeworfen und die iranische Führung scharf verurteilt. Auch frühere Spannungen, etwa über Forderungen nach Kontrolle von Grünland, tauchten wieder auf und belasteten die Atmosphäre, bevor der Präsident später deutlich versöhnlichere Signale sandte.
Zugleich veränderte sich Trumps Auftreten in einer privaten Sitzung mit den 32 Nato‑Chefs; dort sprach er von Zusammenhalt und sagte, er habe großen Zuspruch erfahren. In einem bilateralen Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten kündigte er überraschend an, die Produktion von Patriot‑Luftabwehrraketen in der Ukraine lizenzieren zu lassen, ein Schritt, der Aufmerksamkeit auf konkrete Sicherheitsfragen lenkte und die inhaltlichen Ergebnisse des Gipfels ergänzte.
Die Schlussphase des Gipfels war dennoch von widersprüchlichen Eindrücken geprägt. Bei einer abschließenden Pressekonferenz weitete Trump seine Ausführungen auf Themen wie die US‑Wirtschaft und Persönliches aus, lobte dabei auch den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und wirkte insgesamt weniger strikt auf Nato‑Fragestellungen konzentriert. Dieses Abschweifen trug zur Wahrnehmung bei, dass die Führung der Allianz weiter auf wackeligem Grund stehe.
Daneben blieben in europäischen Hauptstädten Sorgen über die Stabilität des Bündnisses präsent. Einige Beobachter werteten Trumps späte Bekräftigung von Artikel 5 als Erfolg der Vermittlungs- und Bündnisarbeit während des Gipfels; zugleich besteht die Befürchtung, dass öffentliche Angriffe und wechselhafte Botschaften langfristig Zwietracht säen und die Abschreckung gegenüber Russland schwächen könnten.
Ein weiteres Ergebnis des Treffens war, dass kein Datum für den nächsten Nato‑Gipfel festgelegt wurde. Die Verschiebung der Entscheidung unterstreicht die Unsicherheit über den weiteren Fahrplan der Allianz und lässt offene Fragen über Timing und Organisation künftiger Zusammenkünfte bestehen.
Mehrere schon bekannte Streitpunkte traten über den Gipfeltag hinweg erneut zutage: Trumps Kritik an den Verteidigungsausgaben europäischer Partner, sein Vorwurf mangelnder Unterstützung bei Aktionen gegen Iran und ein konkreter Seitenhieb auf das Vereinigte Königreich wegen der zunächst verweigerten Nutzung einer britischen Basis. Diese Wiederkehr bekannter Konfliktlinien machte deutlich, dass die Allianz trotz formaler Einigungen mit inneren Spannungen zu kämpfen hat.