Umfragen: Pro‑europäische Tisza‑Partei bei Parlamentswahl in Ungarn vorn
Zwei unmittelbar nach Schließung der Wahllokale veröffentlichte Umfragen sehen die pro‑europäische Tisza‑Partei bei 55–57% und rechnen ihr 132–135 der 199 Sitze im Parlament zu; ob das für eine Zweidrittelmehrheit reicht, blieb offen.
- Vorläufige Umfragen deuten auf eine mögliche politische Verschiebung in Ungarn hin
- wegen des komplexen Wahlsystems lässt sich die endgültige Sitzverteilung aber noch nicht sicher prognostizieren.
Nach Angaben von veröffentlichten Umfragen liegt die pro‑europäische Tisza‑Partei bei der Parlamentswahl in Ungarn in Stimmenprognosen vor der regierenden Fidesz‑Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán. Zwei Erhebungen, die am Sonntagabend nach Schließung der Wahllokale publiziert wurden, geben der Tisza demnach einen Stimmenanteil von 55 bis 57 Prozent.
Gleichzeitig sagten die Umfragen der Partei zwischen 132 und 135 Sitze im 199 Mitglieder zählenden Parlament voraus. Ob diese Prognosen für eine verlässliche Zweidrittelmehrheit ausreichen, war nicht abschließend feststellbar; eine solche Mehrheit wäre notwendig, um grundlegende Verfassungsänderungen und weitreichende politische Neuausrichtungen durchzusetzen.
Das Umfragebild fußt auf Erhebungen, die bereits einige Tage vor ihrer Veröffentlichung durchgeführt wurden; die Wahllokale hatten um 19:00 Uhr Ortszeit geschlossen, und mit ersten offiziellen Zählergebnissen wurde im Verlauf des Abends gerechnet. Zugleich wiesen Beobachter darauf hin, dass das ungarische Wahlsystem komplex ist und die reinen Prozentzahlen allein nur begrenzt Aufschluss über die finale Sitzverteilung geben.
Magyar, der Herausforderer der Fidesz‑Regierung, hat für den Fall eines Wahlsiegs mehrere Prioritäten benannt. Er kündigte an, die Westbindung Ungarns wiederherstellen und die Korruptionsbekämpfung vorantreiben zu wollen. Zudem nannte er die Freigabe von bislang eingefrorenen EU‑Geldern sowie eine Stärkung der Position Ungarns in der EU und in der NATO als zentrale Ziele.
Inzwischen bleiben genaue Einschätzungen zur konkreten Sitzverteilung spekulativ, solange nur vorläufige Umfragen und noch keine offiziellen Endergebnisse vorliegen. Die veröffentlichten Zahlen signalisieren dennoch eine mögliche Verschiebung des politischen Gleichgewichts, deren tatsächliche Auswirkungen erst nach vollständiger Auszählung und formaler Sitzzuweisung sichtbar werden.