VAE rechtfertigen Austritt aus OPEC als strategischen Wirtschaftsschritt, nicht als politisches Signal
Energieminister betont nationale Interessen; Fokus liege auf Produktionszielen und Ausbau der Exportinfrastruktur.
Nach Angaben von Energieminister Suhail Mohamed Al Mazrouei ist der Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus OPEC und OPEC+ eine souveräne, wirtschaftlich begründete Entscheidung und kein politisches Signal an Partner. Der Schritt folge einer umfassenden Bewertung der nationalen Förderpolitik und der künftigen Fähigkeiten des Landes, schrieb der Minister auf der Plattform X. Diese Neubewertung setze klare Prioritäten für die staatliche Energieplanung und die strategische Ausrichtung Abu Dhabis.
Die Regierung stelle die nationalen Interessen in den Mittelpunkt und betone zugleich ihre Rolle als verlässlicher Energieversorger sowie das Ziel, die Marktstabilität zu wahren, erklärte Mazrouei. Der Austritt spiegele eine langfristige wirtschaftliche Vision und die Entwicklung heimischer Energiekapazitäten wider; er sei nicht Ausdruck politischer Differenzen mit internationalen Partnern, so der Minister.
Konkrete Produktionszahlen verdeutlichen die Dimension des Schritts: Vor dem Krieg habe das Land etwas mehr als drei Millionen Barrel pro Tag gefördert, was grob mit den OPEC+-Zielen übereinstimmte. Abu Dhabi strebe eine Produktionskapazität von 4,9 Millionen Barrel pro Tag an, die tatsächliche Förderung liege aber infolge der Lage derzeit nur bei rund 1,8 bis 2,1 Millionen Barrel pro Tag. Diese Diskrepanz zwischen Zielkapazität und aktueller Produktion ist nach Darstellung des Energieministers ein zentraler Grund für die Anpassung der strategischen Ausrichtung.
Die VAE zählten innerhalb der OPEC hinter Saudi-Arabien zu den Mitgliedern mit nennenswerter Reservekapazität, die das globale Marktgleichgewicht beeinflussen kann. Fachleute weisen darauf hin, dass Saudi-Arabien und die VAE zusammen einen Großteil der weltweit verfügbaren Reservekapazität kontrollierten, die in Krisenzeiten schnell mobilisierbar sei; solche Fähigkeiten flössen in Abu Dhabis Neubewertung der eigenen Position ein.
Gleichzeitig kündigte die Regierung an, die Bauarbeiten für eine West‑East‑Pipeline nach Fujairah zu beschleunigen. Die Leitung soll voraussichtlich 2027 in Betrieb gehen und die Exportkapazität des staatlichen Ölkonzerns ADNOC verdoppeln. Das Projekt zielt darauf ab, Ausfuhrwege zu diversifizieren und die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu verringern, wodurch die Emirate ihre Rolle als globaler Energieakteur stärken wollen.