Wirtschaft distanziert sich deutlich von AfD-Kurs in Sachsen-Anhalt
IHK Halle‑Dessau kritisiert das AfD‑Wahlprogramm als oberflächlich und ohne belastbare Konzepte zur Energieversorgung.
Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer (IHK) Halle‑Dessau hat sich die regionale Wirtschaft klar von den Positionen der AfD in Sachsen‑Anhalt distanziert. Hauptgeschäftsführer Thomas Brockmeier bewertete das Wahlprogramm der Partei als teils oberflächlich und widersprüchlich und betonte, dass es an tragfähigen Antworten auf zentrale wirtschaftliche Fragestellungen fehle.
Zugleich räumte Brockmeier ein, dass die AfD mit ihrer Diagnose einer Deindustrialisierung in der Region einen richtigen Befund benenne. Die Kritik der IHK richte sich jedoch vor allem gegen die vorgeschlagenen Lösungswege: Diese seien vage formuliert und nicht konkret genug, um den Schutz von Industriestandorten und die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu sichern.
Besonders scharf fiel die Beurteilung der energiepolitischen Vorschläge der Partei aus. Die Kammer forderte eine verlässliche, bezahlbare, sichere und klimafreundliche Energieversorgung und bezeichnete die Energiefrage als Achillesferse der Industrie. Ohne konkrete Konzepte für Versorgungssicherheit und Kostenstabilität bestünden erhebliche Risiken für Produktionsstandorte sowie für Investitionsentscheidungen in Sachsen‑Anhalt.
Die Stellungnahme der IHK kommt in einer Phase, in der die AfD in Umfragen seit Monaten bei rund 40 Prozent liegt und damit deutlich vor der CDU rangiert. Auf dem Landesparteitag in Magdeburg nannte die Partei das Ziel, mehr als 45 Prozent zu erreichen und allein zu regieren. Vor diesem Hintergrund erhöht die wirtschaftliche Ablehnung des Parteiprogramms den Druck auf politische Akteure, konkrete Strategien für Energie und Industriepolitik vorzulegen.
Daneben mahnte die IHK, wirtschaftspolitische Maßnahmen müssten langfristig planbar und mit der Industrie abgestimmt sein, damit Unternehmen Investitionen tätigen und Arbeitsplätze sichern können. Ein technisch fundiertes Konzept zur Energieversorgung sei Voraussetzung, um die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Industrie zu erhalten und negative ökonomische Folgen einer möglichen Regierungsbildung zu begrenzen.
In der Gesamtschau signalisiert die Position der IHK Halle‑Dessau eine deutliche Distanz der organisierten Wirtschaft zum AfD‑Kurs in Sachsen‑Anhalt. Die Kammer forderte politische Wettbewerber auf, substanzielle Programme vorzulegen, die sowohl die strukturellen Herausforderungen der Region angehen als auch verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen schaffen.