Zehn EU‑Staaten mit Wehrpflicht: Unterschiede bei Dauer, Geschlechtspflicht und Anreizen
Vor dem Hintergrund des Ukraine‑Kriegs und sinkender Truppenstärken passen mehrere EU‑Länder ihre Personalpolitik an; Umfang, Dauer und Zielgruppen von Pflichtdiensten unterscheiden sich deutlich.
- Mindestens zehn EU‑Staaten haben Wehrpflichtregelungen
- aktuelle Reformen reichen von Wiedereinführungen bis zu erweiterten Meldepflichten.
Nach Angaben aus Brüssel gelten derzeit in mindestens zehn EU‑Mitgliedstaaten Regelungen zur Wehrpflicht. Zu den namentlich genannten Staaten zählen unter anderem Österreich, Kroatien, Zypern, Dänemark und Estland. Die Ausgestaltung weicht stark voneinander ab: In acht Ländern gilt die Pflicht primär für Männer, während Dänemark und Schweden Wehrdienst für beide Geschlechter vorsehen. Auch die Dauer der Dienstzeit variiert; in einigen Fällen reichen die Verpflichtungen bis zu 15 Monaten, während Kroatien den kürzesten Zeitraum von zwei Monaten vorsieht.
Im Mittelpunkt der jüngsten Reformen stehen teilweise spezifischere Verpflichtungen statt einer klassischen, durchgehenden Wehrpflicht. Zugleich hat Deutschland zu Jahresbeginn 2026 eine Meldepflicht für Männer im Alter von 17 bis 45 Jahren eingeführt, wenn diese längere Auslandsaufenthalte von mehr als drei Monaten planen. Diese Regel ist Teil des Military Service Modernisation Act und erweitert frühere Beschränkungen, die bislang nur in Spannungs- oder Verteidigungsfällen galten.
Gleichzeitig erleben einige Länder Wiedereinführungen oder Anreize, um Freiwilligendienste zu stärken. Beispielhaft meldete Kroatien zu Beginn des Jahres etwa 800 Personen, die zum verpflichtenden Militärdienst antraten; der Parlamentsbeschluss zur Wiedereinführung war im Oktober des Vorjahres gefasst worden. Für Teilnehmer bieten solche Programme oft finanzielle und berufliche Vorteile, darunter monatliche Zulagen, Anerkennung als Berufs‑ oder Arbeitszeit sowie bevorzugten Zugang zu öffentlichen Stellen.
Daneben wirken sich demografische und arbeitsmarktbedingte Probleme auf Rekrutierung und Bindung von Personal aus. Zwischen 2010 und 2020 ging die Zahl der Militärangehörigen in Europa im Schnitt um 16 Prozent zurück. Besonders ausgeprägt waren die Rückgänge in Belgien und Deutschland mit 26,5 beziehungsweise 25 Prozent. Demgegenüber konnten Ungarn und Schweden Zuwächse von jeweils rund 25 Prozent verzeichnen. Als Faktoren, die die Bindung von Soldaten erschweren, werden unter anderem niedrige Löhne, schlechte Vereinbarkeit von Dienst und Privatleben sowie ein negatives Arbeitsumfeld genannt.