JKCM News
Startseite
Europa

Zwischenbilanz zur Cannabis‑Legalisierung in Deutschland bleibt umstritten

Eine Zwischenanalyse von drei Hochschulen sieht mehr legalen Bezug durch Erwachsene, keine klare Verbrauchszunahme — Kritiker sehen aber nachlassende Prävention bei Jugendlichen und weiter bestehende Kriminalität in Regionen ohne Clubs.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Zwischenbilanz zur Cannabis‑Legalisierung in Deutschland bleibt umstritten
Studie zeigt wachsenden legalen Bezug, geringe Rolle der Cannabis‑Clubs und rückläufige frühe Prävention bei Jugendlichen.

Zwei Jahre nach der teilweisen Legalisierung von Cannabis in Deutschland ergibt eine vorläufige Analyse von drei Hochschulen ein uneinheitliches Bild. Die Untersuchung dokumentiert einen zunehmenden Bezug aus legalen Quellen durch volljährige Konsumenten, ohne dass sich bislang eine deutliche Erhöhung des Gesamtverbrauchs nachweisen lässt. Damit bleibt offen, ob und in welchem Umfang die Reform die befürchteten Effekte auf Konsum und öffentliche Gesundheit ausgelöst hat.

Die seit dem 1. April 2024 geltenden Regeln erlauben das private Anbauen von bis zu drei Pflanzen sowie den Besitz von bis zu 50 Gramm zu Hause beziehungsweise 25 Gramm in der Öffentlichkeit. Ziel der Gesetzesänderung war es, bestehende Konsumgewohnheiten zu legalisieren und den Schwarzmarkt zurückzudrängen. Die Forschungstrupp stellt fest, dass der Anteil aus legalen Quellen bezogenen Cannabis zunimmt und damit die Untergrundwirtschaft schrittweise an Bedeutung verliert. Die Studie schätzt den jährlichen Gesamtbedarf in Deutschland auf 670 bis 823 Tonnen und verzeichnet rund fünf Millionen gelegentliche Konsumenten.

Nicht‑kommerzielle Anbauvereine, die sogenannten Cannabis‑Clubs, spielen laut Zwischenbericht bisher nur eine geringe Rolle bei der legalen Versorgung. Im Untersuchungszeitraum hätten lediglich etwa 3,5 Prozent der Konsumenten ihre Versorgung über solche Clubs bezogen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt ein Studienautor eine moderate Lockerung der Zulassungskriterien für Anbauvereine, damit diese einen größeren Beitrag zur legalen Versorgung leisten könnten.

Politisch liefern die Befunde Anlass für konträre Bewertungen. Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion sehen die Analyse als Bestätigung der bisherigen Linie: Es habe bislang keine gravierenden negativen Effekte auf Verbrauchsmuster oder öffentliche Gesundheit gegeben, und die Belastung von Polizei und Justiz sei gesunken. Die konservative Gesundheitsministerin kritisiert die Reform hingegen scharf, verweist auf einen Rückgang früher Interventionen zur Prävention bei Kindern und Jugendlichen und warnt vor möglichen langfristigen Folgen für die Jugendgesundheit.

Kritiker monieren zudem regionale Blockaden bei der Zulassung von Cannabis‑Clubs, etwa in Bayern. Sie argumentieren, dass solche Hemmnisse die organisierten legalen Märkte schwächen und die Kriminalität in Teilen des Landes aufrechterhalten. Vertreter des Innenministeriums bewerten die Reform als gescheitert und führen steigende Kriminalitätszahlen sowie eine stärkere Aktivität des Schwarzmarkts an. Die veröffentlichten Zwischenergebnisse nähren damit die politische Debatte weiter, lassen jedoch eine endgültige Bewertung der Reform noch nicht zu.