Zypern: Parlament rückt nach rechts – Dämpfer für Präsident
Die rechtsextreme Elam wird drittstärkste Kraft, zentristische Verbündete von Präsident Christodoulides verlieren Stimmen; zwei neue Kleinparteien ziehen ins Parlament ein.
- Elam erreicht rund 11 Prozent
- Disy und Akel bleiben vorne, Präsident Christodoulides kündigt Zusammenarbeit mit dem neuen Parlament an.
Nach Angaben des Innenministeriums haben die Wählerinnen und Wähler in Zypern bei der Parlamentswahl eine klare Verschiebung nach rechts veranlasst. Die rechtsextreme Partei Elam steigerte ihren Anteil deutlich und kommt nach Auszählung der meisten Stimmen auf rund elf Prozent; 2021 hatte sie noch 6,8 Prozent erzielt. Damit ist Elam nun die drittstärkste Kraft im 56 Sitze zählenden Parlament und verändert das bisherige Kräfteverhältnis im Gesetzgebungsorgan spürbar.
Im Mittelpunkt des Ergebnisses stehen auch die beiden etablierten Stimmen an der Spitze des Parteienspektrums: Die konservative Disy und die kommunistische Akel behaupteten mit 27,2 beziehungsweise 23,8 Prozent ihre Führungspositionen, verfügen aber weiterhin nicht über eine klare Mehrheit. Diese Konstellation erschwert die Bildung stabiler Mehrheiten und macht mögliche Kooperationen komplexer, weil weder die Linke noch die Mitte allein tragfähige Bündnisse stellen können.
Nach dem Schritt ins Parlament konnten zwei neue Gruppierungen Mandate gewinnen. Die Reformbewegung Alma, die Korruptionsbekämpfung zum zentralen Thema gemacht hatte, erreichte rund sechs Prozent und zieht damit erstmals in die Volksvertretung ein. Ebenfalls erfolgreich war die Partei Direkte Demokratie des Social‑Media‑Influencers Phidias Panayiotou, die etwa 5,4 Prozent erhielt und ebenfalls Einzug in die gesetzgebende Versammlung hält. Diese Neuzugänge verstärken die Fragmentierung des Parteiensystems.
Zugleich bedeuten die Verluste der zentristischen Verbündeten für Präsident Nikos Christodoulides einen politischen Rückschlag. Er respektierte das Wahlergebnis und kündigte an, sich um eine Zusammenarbeit mit dem neuen Parlament zu bemühen; nähere Angaben zu möglichen Koalitionen oder personellen Konsequenzen machte er nicht. Für die Regierung erhöht sich damit der Druck, parlamentarische Mehrheiten für Finanz‑ und Strukturfragen zu organisieren.
Daneben zeichnet sich ab, dass Haushaltsplanung, Strukturreformen und Investitionspolitik künftig in einem deutlich fragmentierteren Plenum verhandelt werden dürften. Mehrere Parteien erreichen nennenswerte Anteile, ohne dass eine einzelne Gruppierung dominierend hervortritt. Das neue Kräfteverhältnis wird die Gesetzgebung und die Durchsetzung wirtschaftspolitischer Vorhaben in den kommenden Monaten prägen und intensive Debatten sowie Verhandlungsprozesse im Parlament erforderlich machen.