284 Mal unbegleitete Kinder 2025 in britisch betriebenen Haftzentren in Frankreich festgehalten
Freedom‑of‑Information‑Akten zeigen einen Anstieg unbegleiteter Minderjähriger in von Großbritannien betriebenen Kurzzeit‑Einrichtungen bei Calais und Dunkerque; Hilfsorganisationen sprechen von besorgniserregenden Zahlen.
- Daten deuten darauf hin, dass Hunderte unbegleitete Kinder in britisch geführten Holding‑Sites in Nordfrankreich festgehalten wurden
- Inspektoren hatten zuvor Schutzmängel festgestellt.
Nach Angaben von unter dem Freedom of Information Act veröffentlichten Dokumenten wurden im vergangenen Jahr 284 Fälle registriert, in denen unbegleitete Minderjährige in von Großbritannien betriebenen Kurzzeit‑Haftzentren in Nordfrankreich festgehalten wurden. Betroffen sind die Einrichtungen bei Calais und Dunkerque – Coquelles freight, Coquelles tourist, Calais tourist und Dunkirk – die für die kurzfristige Unterbringung mutmaßlicher illegaler Reisender oder Personen mit zweifelhafter Reisedokumentation vorgesehen sind und Angaben zufolge normalerweise nicht länger als 24 Stunden genutzt werden.
Im Mittelpunkt der Unterlagen steht zudem die Bilanz der vergangenen vier Jahre: Die 284 Fälle 2025 gehören zu etwa 900 registrierten Festhaltungen unbegleiteter Minderjähriger an den genannten Standorten seit 2022. Die jährlichen Zahlen variierten stark: 2024 wurden 258 Fälle verzeichnet, 2023 nur 87 und 2022 lagen die Fälle bei 253. Insgesamt beliefen sich die Festnahmen von Erwachsenen und Kindern an den Standorten 2025 auf 7.454, nachdem im Jahr 2024 noch 9.736 registriert worden waren.
Nach dem Schritt von Inspektoren, die vergangenes Jahr Mängel beim Schutz schutzbedürftiger Personen feststellten, haben Hilfsorganisationen die veröffentlichten Zahlen als alarmierend bezeichnet. Die Mängel betrafen unter anderem das Fehlen von Schutzvermerken für zwei besonders gefährdete inhaftierte Kinder, die später erneut Opfer von Menschenhandel wurden. Dokumentiert ist etwa ein Fall, in dem ein 14‑jähriges Mädchen in einem Reisesack gefunden wurde; ein 16‑jähriger Junge wies laut Unterlagen eine Vorgeschichte von Ausbeutung auf.
Zugleich äußerten Nichtregierungsorganisationen und Experten Sorgen darüber, dass Daten zu Personen, die vom Vereinigten Königreich in Frankreich festgehalten werden, nicht in die offiziellen britischen Einwanderungsstatistiken einfließen. Vor diesem Hintergrund läuft in Frankreich eine juristische Anfechtung eines halb fertiggestellten Zentrums in Dunkerque, wobei örtliche Planungsfragen geltend gemacht werden; parallel dazu wurde ein Vertrag zum Ausbau der Haftinfrastruktur in Frankreich geschlossen, dessen Umfang in den Dokumenten mit 660 Millionen Pfund angegeben wird.
Daneben fordern Hilfsorganisationen eine klare Darstellung dessen, wie zahlreiche unbegleitete Kinder in diese Einrichtungen gelangten und welche konkreten Schutzmaßnahmen künftig greifen sollen. Ein Sprecher des Home Office erklärte, dass bei festgestellten schwerwiegenden Schutzbedenken Kinder in Obhut genommen würden; dennoch verlangen Helfer und Experten detaillierte Aufklärung darüber, wie Schutzlücken geschlossen werden sollen und wie die Verantwortung für vulnerable Minderjährige künftig sichergestellt wird.