Bis zu 200 Zivilisten getötet nach mutmaßlichem Luftangriff der nigerianischen Luftwaffe auf Markt
Ein Luftangriff in Yobe im Nordosten Nigerias traf offenbar einen belebten Wochenmarkt; Menschenrechtsorganisationen und lokale Behörden melden zahlreiche Tote und fordern Aufklärung.
- Amnesty International spricht von mindestens 100 Toten, lokale Quellen nennen bis zu 200 Opfer
- die Regierung bestätigt einen Militäreinsatz gegen Boko Haram und räumt einen Fehlabschuss ein.
Nach Angaben lokaler Vertreter traf am Wochenende ein Luftangriff der nigerianischen Luftwaffe den Jilli-Wochenmarkt in Yobe im Nordosten des Landes. Der Markt liegt nahe der Grenze zum Borno-Staat, dem Zentrum der seit mehr als einem Jahrzehnt andauernden Aufstandsbewegung durch jihadistische Gruppen. Erste Meldungen sprechen von bis zu 200 Toten unter den Marktbesuchern.
Die Yobe-Staatsregierung bestätigte, dass ein Militärschlag ein vermeintliches Boko-Haram-Gebiet ins Visier genommen habe und dass Personen, die den Wochenmarkt aufgesucht hatten, betroffen worden seien. Die Yobe State Emergency Management Agency meldete ebenfalls Opfer unter den Marktbesuchern und verlegte Einsatzteams in die betroffene Region. Mitarbeiter des Geidam General Hospital berichteten von zahlreichen Verletzten, von denen mehrere stationär behandelt wurden.
Gleichzeitig räumten nigerianische Sicherheitskräfte einen Fehlabschuss ein, ohne jedoch nähere Details zu den Abläufen zu nennen. Ein Mitglied einer zivilen Sicherheitsgruppe, die mit dem Militär kooperiert, sagte, es habe Informationen gegeben, wonach Kämpfer sehr nahe am Markt zusammengezogen gewesen seien, und dass die Luftwaffe auf diese Hinweise reagiert habe. Sicherheitsanalysten sehen in solchen Fällen wiederkehrende Problempunkte bei der Aufklärung sowie unzureichende Abstimmung zwischen Bodentruppen und Luftoperationen.
Menschenrechtsorganisationen fordern eine unabhängige Untersuchung des Angriffs und verweisen auf frühere Vorfälle ähnlicher Art. Beobachter erinnern daran, dass seit 2017 Berichten zufolge bereits Hunderte Zivilisten durch Fehlangriffe ums Leben gekommen seien. Die Militärführung betonte ihrerseits, dass man ein Terrorlager und ein Logistikzentrum getroffen habe und verwies auf bestehende Verbote für Motorräder in Gefahrengebieten sowie auf die strikte Behandlung von Bewegungen in solchen Zonen.
Zugleich bleibt die Situation in der Region komplex: Der Markt gilt als Ort, an dem nach Angaben von Sicherheitsexperten auch Versorgungsgüter gehandelt werden, die von bewaffneten Gruppen genutzt werden könnten. Angehörige und Behörden fordern nun schnelle, transparente Aufklärung über die Umstände des Angriffs und eine angemessene Versorgung der Opfer und Verletzten.