BP gerät bei Hauptversammlung mit Aktionären wegen Klimotransparenz in offene Konfrontation
Anleger stimmten gegen zwei Vorlagen des Vorstands und kritisierten das Zurückweisen einer Aktivistenforderung zu Plänen für sinkende Nachfrage nach Öl und Gas.
- Albert Manifold wurde mit 81,8% zum Vorsitzenden gewählt
- zwei Vorstandsinitiativen verfehlten die erforderliche Stimmenmehrheit von 75%.
Nach Angaben von Teilnehmern erlebte der britische Energiekonzern BP bei seiner Jahreshauptversammlung eine deutliche Aufforderung seitens der Aktionäre, mehr Transparenz in Klima- und Governance-Fragen zu zeigen. Albert Manifold wurde mit 81,8 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden gewählt; das Ergebnis fiel damit deutlich hinter die sonst üblichen nahezu einstimmigen Mehrheiten für Vorsitzende zurück.
Zugleich scheiterten zwei vom Vorstand unterstützte Anträge, die jeweils eine 75-Prozent-Mehrheit erforderlich gemacht hätten. Eine der Vorlagen hätte es ermöglicht, künftige Hauptversammlungen ausschließlich online abzuhalten; die andere sah vor, zwei unternehmensspezifische Verpflichtungen zur Klimaberichterstattung aufzuheben. Beide Initiativen erreichten diese Schwelle nicht und wurden damit abgelehnt.
Inzwischen geriet das Gremium in die Kritik, weil es einen Antrag der niederländischen Aktivistengruppe Follow This blockierte. Die Initiative forderte, BP solle Pläne vorlegen, wie das Unternehmen unter Szenarien sinkender Nachfrage nach Öl und Gas weiterhin Wert für Aktionäre schaffen könne. Der Vorstand begründete seinen Einspruch mit rechtlicher Beratung und der Einschätzung, der Antrag sei ungültig und würde, falls angenommen, nicht wirksam sein.
Daneben hatten zwei einflussreiche Stimmrechtsberater sowie ein großer Vermögensverwalter empfohlen, den Vorschlägen des Vorstands nicht zu folgen. Trotz dieser Empfehlungen unterstützten bedeutende Investoren mehrere Management-Positionen und andere Vorstandsentscheidungen; unter den Unterstützern befanden sich auch große Staatsfonds und Investmentmanager.
Im Mittelpunkt der Debatten stand die strategische Neuausrichtung von BP, die eine stärkere Fokussierung auf Öl- und Gasprojekte gegenüber einem Ausbau erneuerbarer Geschäfte vorsieht. Kritiker werteten die Abstimmungsergebnisse als klares Signal, dass Anleger mehr Nachweise für Kapitaldisziplin und größere Transparenz verlangen. Der Vorstand verteidigte seine Entscheidungen als Beitrag zur Steigerung des Shareholder Value und verwies auf die getroffene rechtliche Einschätzung bei der Blockade des Aktivistenantrags.