Ölpreis zieht an – Marktpreise von Iran‑Risiko und Unsicherheit in der Straße von Hormus getrieben
Strategen sehen steigende Kurse vor allem als Prämie für geopolitische Risiken rund um Iran und die Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus.
Nach Angaben von Naeem Aslam, CIO bei Zaye Capital Markets, klettern die Ölpreise, weil geopolitische Risiken wieder eine spürbare Lieferprämie in den Markt bringen. Entscheidend sei mittlerweile nicht allein die Nachfrageseite, sondern vor allem die Gefahr, dass Störungen entlang wichtiger Transportwege wie der Straße von Hormus physische Lieferungen rasch verknappen könnten. Diese Unsicherheit wirke unmittelbar auf die Händlerstimmung und hebe die Risikobewertung für Öl an.
Im Mittelpunkt der Marktreaktion stünden zudem die politischen Signale aus den USA. Aslam hebt hervor, dass Äußerungen von US‑Präsident Trump die Wahrnehmung der Marktakteure beeinflussen: Forderungen nach einem dauerhaft kernwaffenfreien Iran, die Forderung nach uneingeschränktem Schiffsverkehr durch Hormus und Anweisungen zu Zahlungsrestriktionen nähmen die Form eines laufenden Verhandlungsrisikos an. Solche politischen Botschaften führten dazu, dass Anleger verstärkt auf Energiesicherheitsrisiken achten und Risikoprämien in Kauf nähmen.
Zugleich fließen klassische Angebots‑ und Nachfrageindikatoren in die Bewertung ein. OPEC hat seine Prognose für das weltweite Nachfragewachstum 2026 reduziert, während die Internationale Energieagentur einen weiteren Rückgang der globalen Ölversorgung im April verzeichnete und seit Februar kumulierte Verluste feststellt. Diese Kombination aus abgeschwächter Nachfrageerwartung und realem Angebotsdruck erklärt, warum Preise trotz nachlassender Wachstumssignale anziehen können: Ein engeres physisches Angebot überlagert schwächere Prognosen.
Daneben spielen makroökonomische Daten eine Rolle bei der kurzfristigen Einschätzung. Aslam verweist auf ein gesunkenes Core‑PCE auf Dreimonatsbasis, ein deutliches Plus bei Unternehmensgewinnen im Jahresvergleich und eine revidierte US‑BIP‑Wachstumsrate. Vor diesem Hintergrund könnten FOMC‑Äußerungen sowie ISM‑Manufacturing‑Daten als Auslöser für weitere Preisbewegungen dienen; stärkere PMI‑Zahlen und höherer Preisdruck im Fertigungssektor würden die Nachfrage‑ und Inflationssorgen befeuern und damit zusätzlichen Aufwärtsdruck auf Öl ausüben.
Gleichzeitig ergänzen Marktkommentare anderer Analysten das geopolitische Bild. Neil Crosby von Sparta Commodities bewertet die Wiederöffnung der Straße von Hormus in der aktuellen Marktstimmung als wahrscheinlicher als zuvor, sieht aber weiterhin Skepsis bei vielen Marktteilnehmern. Ole S. Hansen von Saxo Bank verweist auf einen jüngsten Rücksetzer bei Energieindizes und betont, dass mögliche Freigaben aufgestauter Tankerladungen aus dem Persischen Golf die Preisdynamik zusätzlich beeinflussen könnten. Insgesamt bleibt die Preisentwicklung ein Zusammenspiel von realem Angebotsdruck, politischer Unsicherheit und kurzfristigen makroökonomischen Impulsen.