Britische Regierung genehmigt Axel Springer-Übernahme der Zeitung The Telegraph
Kulturministerin Lisa Nandy kündigte an, kein Eingreifen zu beabsichtigen. Axel Springer bietet 575 Mio. Pfund und kündigt Investitionen in Redaktion und internationales Wachstum an.
Nach Angaben der britischen Regierung hat das Kabinett am Dienstag dem Erwerb der Tageszeitung The Telegraph durch den deutschen Medienkonzern Axel Springer zugestimmt. Kulturministerin Lisa Nandy erklärte, sie sehe keine Veranlassung, wegen Wettbewerbs- oder Auslandsbeteiligungsfragen in den Zusammenschluss einzugreifen.
Im Mittelpunkt des Deals steht ein bar bezahltes Angebot von Axel Springer in Höhe von 575 Millionen Pfund für die Print- und Online-Ausgaben der Telegraph Media Group. Der Konzern, dem unter anderem die Titel Bild und Die Welt sowie das Politik-Portal Politico gehören, kündigte zugleich an, die Redaktion gezielt zu stärken und Mittel für die internationale Expansion der Marke bereitzustellen.
Zugleich beendet die Freigabe eine jahrelange Übernahmesaga. Ausgangspunkt war ein im Spätherbst 2023 vereinbarter Verkauf an RedBird IMI, ein US‑emirativer Konsortiumsbieter, dessen Verflechtungen mit Abu Dhabi damals Befürchtungen zur Pressefreiheit auslösten und zu einem erzwungenen Weiterverkauf führten. Weitere Versuche, den Erwerb unter veränderter Struktur fortzusetzen, scheiterten, und eine anschließende Übereinkunft zwischen RedBird und den Eigentümern der Daily Mail rückte im Februar in den Fokus einer Regierungsprüfung aus wettbewerbsrechtlichen Gründen.
Daneben verliert die frühere Untersuchung der Regierung mit der Zustimmung für Axel Springer an Bedeutung. Der Konzern betonte, The Telegraph in ein globales Netzwerk unabhängiger Berichterstattung einzugliedern und zugleich die eigenständige britische redaktionelle Ausrichtung zu bewahren. Die Unternehmensführung hob hervor, substanzielle Mittel in journalistische Qualität sowie das internationale Wachstum investieren zu wollen.
Inzwischen wird die Entscheidung als prägend für die Eigentümerstruktur der konservativen Tagespresse in Großbritannien betrachtet. Für das 170 Jahre alte Blatt eröffnen sich nach Angaben des Käufers neue Chancen zur internationalen Expansion; Kritiker bleiben dennoch aufmerksam und beobachten mögliche Auswirkungen auf Unabhängigkeit und Vielfalt der Medienlandschaft.
Gleichzeitig steht die Genehmigung vor dem Hintergrund jüngerer Änderungen der britischen Fusionskontrolle, mit denen die Regierung ihre Befugnisse zur Prüfung ausländischer Einflussnahmen auf Medien ausgeweitet hatte. Im vorliegenden Fall kam das Kulturministerium zu dem Schluss, dass die Übernahme durch Axel Springer keine risikobehafteten Folgen für nationale Interessen oder den Wettbewerb erwarten lasse.