Explained: Warum Drohnenvorfälle in Europa zur Realität wurden
Ein Drohnenabsturz in Galați rückt verstärkt unbeaufsichtigte Luftfahrzeuge und Angriffe in den Fokus, die inzwischen EU- und NATO‑Staaten betreffen.
Nach Angaben der Berichterstattung stürzte am Freitag eine Drohne auf das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Galați, einer Hafenstadt im Osten Rumäniens nahe der Donau und der Grenze zur Ukraine. Durch den Zusammenstoß wurden zwei Zivilisten verletzt, und das Dach des Gebäudes fing Feuer. Rumänische Behörden bezeichneten das Fluggerät als russisch und erklärten, es sei mit Sprengstoff beladen gewesen.
Im Mittelpunkt der öffentlichen Reaktionen standen direkte Schuldzuweisungen an Russland: Präsident Nicușor Dan machte Wladimir Putin verantwortlich, und Außenministerin Oana Țoiu bestätigte Herkunft und Bewaffnung der Drohne. Zugleich äußerten internationale Vertreter Besorgnis und sahen in dem Vorfall eine Bestätigung wiederholter Warnungen, wonach der Ukraine‑Konflikt zunehmend auf europäisches Territorium übergreife.
Inzwischen zeigen Analysen, dass Rumänien seit 2022 eine Reihe von Drohnenvorfällen registriert hat: Demnach wurden mindestens 28 Vorfälle gezählt, davon 15 allein im Jahr 2026. Ähnliche Zwischenfälle wurden in mehreren weiteren europäischen Staaten gemeldet, darunter die baltischen Länder, Moldau, Finnland, Dänemark, Belgien sowie Mittelmeeranrainer wie Bulgarien und Griechenland. Die Vorfälle betrafen städtische Gebiete, Häfen und kritische Infrastruktur und reichten von überflogenen Lufträumen bis zu Einschlägen auf dem Boden.
Gleichzeitig hatte ein massiver Vorfall im September 2025 in Polen bereits eine breite politische Reaktion ausgelöst: Dutzende Shahed‑Drohnen durchdrangen damals den polnischen Luftraum, woraufhin Polen NATO‑Konsultationen einleitete und seine Überwachungs‑ und Abwehrmaßnahmen an der Ostflanke verstärkte. Das Ereignis in Galați hat diese Debatte erneut befeuert und Forderungen nach verbesserten Abwehrsystemen sowie nach stärkerer, koordinierter Überwachung innerhalb von EU und NATO verstärkt.
Unterdessen reagierten russische Vertreter mit Warnungen vor einer neuen Phase erhöhter Spannungen, während zahlreiche Staaten Solidaritätsbekundungen gegenüber Bukarest aussprachen. Daneben verstärkt der jüngste Vorfall die Frage, wie europäische Staaten ihre Lufträume künftig wirksamer schützen können, ohne dabei neue politische Eskalationsrisiken auszulösen.