Britisches Papier kündigt Ende der Brexit‑Kontrollen für viele Lebensmittel ab Mitte 2027 an
Erste Details des SPS‑Abkommens sollen bürokratischen Aufwand für Exporte zwischen Großbritannien und der EU deutlich senken und Lieferungen nach Nordirland vereinfachen.
Nach Angaben der britischen Regierung wurden erste Details eines Abkommens über Lebensmittelausfuhren mit der EU veröffentlicht, das Kontrollen und zahlreiche Papierpflichten erheblich reduzieren soll. Die Regelung betrifft Produkte wie Milch, Käse, Eier, Fisch sowie frisches rotes Fleisch und gilt für Exporte in beide Richtungen. Damit würden viele der seit dem Brexit eingeführten Anforderungen entfallen.
Im Mittelpunkt des Papiers steht die Abschaffung teurer veterinärmedizinischer Zertifikate für Fleischexporte, gleichgültig ob frisch, tiefgefroren oder verarbeitet. Zugleich sollen ähnliche Dokumentationspflichten für Pflanzen und Holzverpackungsmaterial wegfallen. Unternehmen, die nach Nordirland liefern, könnten künftig ohne Gesundheitskennzeichnungen auskommen, was die Binnenverkehre unter dem Windsor‑Framework erleichtern soll.
Nach dem Schritt sieht die Regierung einen Zielzeitraum vor: Das Abkommen soll im Sommer 2027 in Kraft treten. Begleitend hat das Umweltministerium Leitlinien veröffentlicht, damit Produzenten und Händler sich vorbereiten können. Nicht abschließend geklärt sind weiterhin alle Details der sanitären und phytosanitären Regelungen; für bestimmte zugelassene Pflanzenschutzmittel sind Übergangsregelungen vorgesehen.
Daneben hatte die bisherige Praxis Unternehmen stark belastet. Die EU führte bei Einfuhren aus Großbritannien Papierprüfungen für alle Sendungen durch und physische Kontrollen bei rund 30 Prozent der Waren. Gesundheitszeugnisse, die nach dem Brexit verpflichtend wurden, konnten pro Sendung Kosten von bis zu 200 Pfund verursachen und trugen nach Angaben von Branchenvertretern dazu bei, dass schätzungsweise 16.000 Firmen den Export in die EU einstellten.
Inzwischen haben Anwenderorganisationen und Logistikverbände die angekündigten Erleichterungen begrüßt und auf wiederholte Probleme hingewiesen, etwa monatelange Verzögerungen infolge falsch ausgefüllter Dokumente. Die Verhandlungen liefen seit Ende des vergangenen Jahres; ein formeller Abschluss wird für das nächste EU‑UK‑Gipfeltreffen Anfang Juli angestrebt.