Brüssel: EU-Altersprüfungs-App ist «technisch einsatzbereit»
Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigt zeitnahen Rollout einer datenschutzorientierten Altersverifikation an; sieben Mitgliedstaaten wollen das System in nationale Digital‑ID‑Wallets einbinden.
Nach Angaben der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, ist eine EU‑weit konzipierte Altersprüfungs‑App für Onlineplattformen technisch einsatzbereit und soll in Kürze eingeführt werden. Die Kommission präsentiert das System als Instrument, um Kinder besser vor schädlichen Inhalten und manipulativen Mechaniken sozialer Medien zu schützen. Zugleich betont sie, dass das Angebot Unternehmen die Umsetzung von Kinderschutzpflichten erleichtern soll.
Im Mittelpunkt steht eine Technik auf Basis von Zero‑Knowledge‑Proofs: Nutzer können damit ihr Alter bestätigen, ohne persönliche Identitätsdaten an Plattformen zu übermitteln. Als Nachweis kommen offizielle Dokumente oder bestehende elektronische Identifikationssysteme infrage; die App erzeugt daraus eine altersbestätigende Proof‑Information, die an Dienste weitergereicht wird. Gleichzeitig soll die Lösung als Open‑Source‑Software verfügbar sein, um unabhängige Prüfung des Codes zu ermöglichen und verschiedene nationale Verfahren zu vermeiden.
Nach dem Schritt planen sieben Mitgliedstaaten, darunter Frankreich, Spanien und Italien, die Verifikationslösung in ihre nationalen digitalen Identitäts‑Wallets zu integrieren. Daneben verweist Brüssel auf eine wachsende politische Dynamik in mehreren Ländern, die strengere Altersbeschränkungen für die Nutzung sozialer Medien anstreben. Frankreich hat bereits ein Gesetz verabschiedet, das die Nutzung von Social Media für Unter‑15‑Jährige verbieten und die Handynutzung in weiterführenden Schulen einschränken will; Griechenland, Spanien und Dänemark treiben ebenfalls nationale Maßnahmen voran.
Inzwischen nennt die Kommission keine verbindliche Frist für die flächendeckende Einführung der App und macht keine verbindliche Aussage dazu, ob Plattformen zur Nutzung des EU‑Mechanismus verpflichtet werden. Mit dem Angebot eines standardisierten Verfahrens zielt Brüssel darauf, großen Diensten wie TikTok, den Meta‑Plattformen Facebook und Instagram sowie Snapchat ein einheitliches Werkzeug zur Altersverifikation bereitzustellen. Vor dem Hintergrund laufender Untersuchungen gegen mehrere Plattformen wegen unzureichendem Kinderschutz forderte von der Leyen, Unternehmen hätten keine Ausreden mehr, Kindern online besseren Schutz zu gewähren.