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Bulgaren stimmen bei achter Wahl in fünf Jahren – pro‑russischer Ex‑Präsident Rumen Radev führt Umfragen an

Nach dem Sturz der Regierung im Dezember kämpfen Bulgaren erneut um Stabilität. Hohe Lebenshaltungskosten und Korruptionsvorwürfe prägen den Wahlkampf; Radev verspricht Ordnung und Reformen.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Bulgaren stimmen bei achter Wahl in fünf Jahren – pro‑russischer Ex‑Präsident Rumen Radev führt Umfragen an
  • Radev führt die Umfragen deutlich an
  • GERB und MRF folgen deutlich abgeschlagen. Eine hohe Wahlbeteiligung wird erwartet.

Nach Angaben von Beobachtern und Meinungsforschern treten die Bulgaren an diesem Sonntag zur achten Parlamentswahl binnen fünf Jahren an. Der Urnengang war notwendig geworden, nachdem Massenproteste im Dezember die bisherige Regierung zu Fall brachten. Im Fokus stehen wirtschaftliche Sorgen und der Wunsch nach stabiler Verwaltung; viele Wähler sehen darin den Hauptantrieb für ihre Stimmabgabe.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfs steht Rumen Radev, der frühere Präsident, der zu Beginn des Jahres von seinem Amt zurückgetreten ist, um zu kandidieren. Er gilt als Euroskeptiker und hat mit seiner Allianz Progressive Bulgaria in Umfragen deutlich die Führung übernommen. Eine jüngste Prognose sieht ihn bei rund 35 Prozent der Stimmen, ein Ergebnis, das zwar stark wäre, aber voraussichtlich keine absolute parlamentarische Mehrheit bringen würde.

Zugleich verschiebt sich das Parteienspektrum in Richtung Radev: Die konservative GERB-Partei des früheren Ministerpräsidenten Boyko Borissov liegt in den Umfragen deutlich hinter Radev bei etwa 18 Prozent. Die Bewegung für Rechte und Freiheiten (MRF) rangiert weiter abgeschlagen; ihr Führungsprofil sorgt zusätzlich für Kontroversen. Umfrageforscher erwarten eine deutlich höhere Beteiligung als bei den vorangegangenen Wahlen und prognostizieren rund 60 Prozent – ein Anzeichen erhöhter Mobilisierung nach der politischen Krise.

Daneben dominiert die Ermüdung vieler Bürger gegenüber wiederholten Regierungswechseln und der Wahrnehmung einer korrupten politischen Klasse die Debatte. Radev hat deshalb Stabilität und konsequente Korruptionsbekämpfung in den Vordergrund gestellt. Kritiker verweisen jedoch auf Entscheidungen der von ihm eingesetzten Übergangsregierungen, darunter einen umstrittenen Erdgashandel 2023, der Ermittlungen nach sich zog; solche Vorwürfe prägen die Auseinandersetzung um Verantwortung und Führung.

Gleichzeitig bleibt die Außenpolitik umstritten: Radev hat sich in der Vergangenheit gegen militärische Unterstützung für die Ukraine ausgesprochen und setzt auf praktische Beziehungen zu Russland. Für viele Wähler rücken jedoch die konkreten ökonomischen Nöte in den Vordergrund; Inflation und soziale Absicherung dominieren ihre Forderungen. Beobachter sehen in diesem Urnengang eine wegweisende Prüfung, ob Bulgarien diesmal eine stabile Mehrheit bilden kann oder erneut in eine Phase politischer Fragmentierung zurückfällt.