Chinesische Investitionen in Europa steigen deutlich – Deutschland unter Druck
Chinesische Direktinvestitionen in Europa stiegen 2025 um 67 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro; Brüssel wertet protektionistische Maßnahmen als Wirkungstreiber, während chinesische Exporte in die EU weiter zulegen.
Nach Angaben des Handelsblatts sind die chinesischen Direktinvestitionen in Europa im vergangenen Jahr deutlich gestiegen und legten um 67 Prozent zu. Insgesamt flossen 16,8 Milliarden Euro an neuen chinesischen Investments nach Europa, ein Niveau, das in Brüssel als Erfolg der verschärften Chinapolitik gewertet wird.
Im Mittelpunkt der Erklärungen steht die Einschätzung, dass restriktivere Maßnahmen gegenüber China Investoren dazu bewegen, verstärkt vor Ort zu bauen statt ausschließlich auf Export zu setzen. Als Beispiel werden Schutzzölle gegen importierte chinesische Elektroautos genannt; Industriekommissar Stéphane Séjourné hebt den politischen Kurs als einen Faktor hervor, der solche Entscheidungen beeinflusst habe.
Zugleich bleibt die Lage ambivalent: Trotz stärkerer Investments steigen die chinesischen Exporte in die EU weiter an, was Ökonomen Sorge bereitet. Das Ausmaß des Warenzuflusses nährt Befürchtungen eines neuen Wettbewerbsdrucks vor allem auf deutsche Unternehmen. Automobilkonzerne, Zulieferer und Maschinenbauer sehen sich nicht mehr nur mit preisgünstiger Konkurrenz konfrontiert, sondern zunehmend auch mit Produkten, die Qualitätsansprüchen genügen.
Daneben betonen Analysten, dass höhere Greenfield‑Investitionen Chancen eröffnen können. Neue lokale Fertigungsprojekte chinesischer Firmen könnten technologische Kooperationen und Kapazitätsaufbau in Europa fördern und Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig erhöhe der fortwährende Preisdruck durch Güterexporte die Belastung etablierter Industrien und zwinge diese zu Anpassungen.
Inzwischen warnen Ökonomen davor, Schutzmaßnahmen allein als dauerhafte Lösung zu begreifen. Solange der Warenzufluss anhält, bleibe Wettbewerbsdruck ein zentrales Problem für Industriestandorte wie Deutschland. Die Herausforderung bestehe darin, einerseits die wirtschaftlichen Chancen durch direkte Auslandsinvestitionen zu nutzen und andererseits die Anpassungsfähigkeit traditioneller Hersteller gegenüber einem intensiveren globalen Wettbewerb zu stärken.