Ifo-Studie: Jeder fünfte Selbstständige sieht wirtschaftliche Existenz gefährdet
Ifo-Umfrage für April zeigt starke Existenzängste und verschlechtertes Geschäftsklima bei Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmen.
- 20,6 Prozent der Selbstständigen sehen ihre wirtschaftliche Zukunft bedroht
- Auftragsmangel und Unsicherheit verschlechtern die Perspektiven deutlich.
Nach Angaben des Münchner Ifo-Instituts betrachten mehr als jeder fünfte Selbstständige in Deutschland seine wirtschaftliche Existenz als gefährdet. In der im April erhobenen Umfrage gaben 20,6 Prozent der befragten Solo-Selbstständigen und Kleinstunternehmer an, um ihre wirtschaftliche Zukunft zu bangen, während der entsprechende Wert in der Gesamtwirtschaft bei 8,1 Prozent liegt.
Im Mittelpunkt der Belastung steht demnach der anhaltende Auftragsmangel. Knapp die Hälfte der Befragten (48,4 Prozent) meldete im April fehlende Aufträge, ein leichter Anstieg gegenüber Januar (46,6 Prozent). Damit liegt die Auftragslage bei Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen deutlich schlechter als in der Gesamtwirtschaft, wo 39,0 Prozent von fehlenden Aufträgen berichteten.
Nach dem Schritt in die tieferen Kennzahlen verschlechterte sich auch das Geschäftsklima spürbar: Das Barometer fiel von minus 20,8 Punkten im März auf minus 29,9 Punkte im April und erreichte damit einen neuen Tiefstand. Vor allem die Erwartungen für die kommenden Monate sackten ab, zugleich wurden die Einschätzungen zur aktuellen Lage häufiger negativ bewertet.
Zugleich wächst die Unsicherheit über die künftige Geschäftsentwicklung. 38,8 Prozent der Selbstständigen erklärten, ihre Perspektiven schwer einschätzen zu können, nach 36,4 Prozent im März. Als Hauptfaktoren für die angespannte Lage nennt das Institut die Kombination aus Auftragsmangel und wachsender Unsicherheit, die viele Dienstleister empfindlich treffe.
Daneben macht die Untersuchung auf strukturelle Verwundbarkeiten kleiner Anbieter aufmerksam: Soloselbstständige und Kleinstunternehmen sind stärker von kurzfristigen Auftragsschwankungen betroffen als größere Firmen, was ihre Anfälligkeit für Nachfragerückgänge erhöht. In Reaktion auf die Ergebnisse forderte der Verband der Gründer und Selbstständigen Deutschland politische Maßnahmen und bezeichnete positive Impulse als möglich, ohne hohe Kosten zu verursachen.