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Engie kauft UK Power Networks für 10,5 Mrd. Pfund und setzt auf regulierte Stromnetze

Engie übernimmt den britischen Netzbetreiber UK Power Networks für einen Eigenkapitalwert von 10,5 Milliarden Pfund und finanziert den Deal über eine Mischung aus Fremdkapital, Aktien und Verkäufen.

JKCM Desk 2 Min Lesezeit
Titelbild: Engie kauft UK Power Networks für 10,5 Mrd. Pfund und setzt auf regulierte Stromnetze
  • Der Eigenkapitalwert liegt bei 10,5 Milliarden Pfund, der Enterprise Value bei 15,8 Milliarden Pfund.
  • UK Power Networks liefert jährlich rund 71 TWh Strom an 8,5 Millionen Kunden in London, Südost- und Ostengland.
  • Engie will den Kauf mit rund 5 Milliarden Euro an Schulden und Hybridpapieren sowie etwa 4 Milliarden Euro an Veräußerungen bis 2028 finanzieren.
  • Zusätzlich ist eine Eigenkapitalerhöhung von bis zu 3 Milliarden Euro geplant, um das Investment-Grade-Rating zu stützen.
  • Der Abschluss wird für Mitte 2026 erwartet und hängt von regulatorischen Freigaben und Aktionärszustimmungen ab.

Engie baut seine Position in regulierten Stromnetzen mit einem Großdeal aus. Der Konzern hat eine Vereinbarung zur Übernahme von UK Power Networks (UKPN) unterzeichnet, dem größten britischen Stromverteilnetz in seinem Versorgungsgebiet. Der vereinbarte Eigenkapitalwert beträgt 10,5 Milliarden Pfund; der Enterprise Value wird mit 15,8 Milliarden Pfund angegeben. Engie verschiebt damit den Schwerpunkt der Infrastrukturaktivitäten sichtbar in Richtung planbarer, regulierter Erlöse – ein Segment, das im Zuge der Elektrifizierung von Verkehr, Gebäuden und Industrie an Bedeutung gewinnt.

UKPN betreibt drei Verteilnetz-Lizenzen in London sowie im Südosten und Osten Englands. Das Netz umfasst rund 192.000 Kilometer Leitungen, zu einem großen Teil unterirdisch, und versorgt nach Unternehmensangaben 8,5 Millionen Kunden; jährlich werden etwa 71 TWh Strom ausgeliefert. Engie verweist zudem auf eine über mehrere Jahre führende Performance im Regulierungsrating. Die regulierte Vermögensbasis (RAV) lag Ende März 2025 bei 9,2 Milliarden Pfund und soll bis zum Ende der laufenden Preisregulierungsperiode im März 2028 auf 10,5 Milliarden Pfund steigen.

Für Engie ist die Transaktion auch eine finanzielle Weichenstellung. Geplant ist eine Finanzierung über etwa 5 Milliarden Euro an Fremdkapital und hybriden Instrumenten sowie ein Veräußerungsprogramm von rund 4 Milliarden Euro bis 2028. Zusätzlich sieht das Konzept eine Eigenkapitalmaßnahme von bis zu 3 Milliarden Euro vor, um den Anspruch auf ein starkes Investment-Grade-Profil zu untermauern. In den Unterlagen wird als Effekt ein Anstieg des Kapitaleinsatzes zum Jahresende 2026 um rund 17 bis 19 Milliarden Euro genannt; die Nettofinanzverschuldung könnte dadurch bis Ende 2026 um 13 bis 15 Milliarden Euro zulegen.

Strategisch passt der Schritt in die europäische Verschiebung weg von stark schwankenden Margen in Gas- und Stromhandel hin zu stabilen Netzrenditen. Engie betont, dass der Zukauf die Präsenz im Vereinigten Königreich stark ausweitet und das Land zu einem der wichtigsten Märkte des Konzerns macht. Für das britische System ist das Thema Netzinvestitionen zentral, weil neue erneuerbare Einspeiser, Batteriespeicher und Ladeinfrastruktur im Verteilnetz angeschlossen werden müssen und die Nachfrage in den kommenden Jahren steigen dürfte.

Der Abschluss der Transaktion wird für Mitte 2026 erwartet. Voraussetzung sind regulatorische Genehmigungen sowie Zustimmungserfordernisse auf Verkäuferseite. In der Umsetzung wird es darauf ankommen, die Governance und Investitionspläne in das britische Regulierungsregime einzupassen und die angekündigten Finanzierungsbausteine – insbesondere die Verkäufe und eine mögliche Kapitalerhöhung – zeitlich so zu takten, dass die Bilanzkennzahlen im Zielkorridor bleiben.