EU-Gashändler drängen auf Ende der Speicherziele ab 2028 und klarere Russland-Regeln
Energy Traders Europe fordert, die EU-Vorgaben zur Gasbevorratung nach 2027 auslaufen zu lassen und Verbote für russische Lieferungen eindeutiger zu fassen.
- Die Branchenorganisation plädiert dafür, die verpflichtenden Speicherfüllziele nach 2027 zu beenden und stärker auf marktgetriebene Befüllung zu setzen.
- Die EU schreibt derzeit vor, dass Untergrundspeicher jährlich zu 90% gefüllt sein sollen und überwacht dafür Zwischenziele über den Sommer.
- Die Kommission hatte eine Verlängerung der Gas-Speicher-Regeln bis Ende 2027 vorgeschlagen, um Versorgungssicherheit in volatilen Märkten zu stützen.
- Parallel wächst der Regelungsdruck bei Russland-Importen: EU-Regeln sehen stufenweise Verbote für russisches LNG und Pipelinegas vor.
Die Debatte über die Rolle von Gasspeichern in der europäischen Versorgungssicherheit bekommt neuen Schub. Energy Traders Europe fordert, die verpflichtenden EU-Speicherziele ab 2028 auslaufen zu lassen. Untergrundspeicher sollten dann wieder stärker „marktgetrieben“ genutzt werden, argumentiert die Organisation – und verlangt zugleich klarere Regeln, wie Verbote für russisches Gas und LNG in der Praxis umgesetzt werden sollen.
Seit der Energiekrise sind Speicherfüllstände zu einem politischen Steuerungsinstrument geworden. Die EU verpflichtet Mitgliedstaaten, ihre Untergrundspeicher jährlich bis zur Wintersaison zu füllen. Kernmarke ist ein Füllstand von 90% zu einem festgelegten Stichtag; zusätzlich gibt es Trajektorien und Zwischenziele (unter anderem für Februar, Mai, Juli und September), die eine koordinierte Befüllung über den Sommer sicherstellen sollen. Die Logik dahinter: Je höher der Startbestand, desto geringer das Risiko von Versorgungsunterbrechungen und Preisspitzen in der Heizperiode.
Die EU-Kommission hat diese Linie zuletzt ausdrücklich verteidigt und eine Verlängerung der bestehenden Gas-Speicher-Regelung um zwei Jahre bis Ende 2027 vorgeschlagen. Begründet wurde das mit dem geopolitischen Umfeld und der anhaltenden Volatilität auf den globalen Gasmärkten. Gleichzeitig betont die Kommission, dass Flexibilitäten nötig sind, um Marktverzerrungen zu vermeiden – etwa, wenn Befüllungspflichten im Sommer die Preise nach oben treiben oder Infrastruktur technisch eingeschränkt ist.
Genau an diesem Punkt setzt die Kritik der Händler an. Verpflichtende Ziele könnten, je nach Marktlage, zu Stress im System führen: Wenn viele Akteure zur gleichen Zeit kaufen müssen, steigen Preise und die Kostenspirale kann sich bis in Endkundenverträge fortsetzen. Zudem sinkt mit wachsender LNG-Importkapazität und diversifizierten Lieferketten der Nutzen starrer Vorgaben aus Sicht des Handels. Die Organisation plädiert daher für einen Ausstieg nach 2027 und für Regeln, die eher als Sicherheitsnetz denn als jährliche Pflicht wirken.
Mit dem Speicherstreit verknüpft ist eine zweite Regulierungsfront: der geplante Ausstieg aus russischen Gasimporten. EU-Regeln sehen eine stufenweise Untersagung sowohl von Pipelinegas als auch von LNG vor, mit vollen Verboten in den Jahren 2026 und 2027 je nach Vertragsart und Lieferweg. Für Marktteilnehmer wird damit zentral, wie Übergangsfristen, Autorisierungen und Nachweise ausgestaltet werden – und wie sich das auf bestehende Lieferverträge und die Beschaffungsplanung auswirkt.
In Summe läuft Europa auf eine Phase zu, in der Speicherpolitik, Importregeln und Preisbildung enger zusammenhängen als früher. Die nächsten Monate dürften zeigen, ob die Kommission die Speicherpflichten über 2027 hinaus dauerhaft verankern will oder ob ein flexibleres Modell entsteht, das Versorgungssicherheit mit geringeren Marktverzerrungen verbindet.