EU-Kommissar Hoekstra fordert radikaleren Kurs gegen Energiekrise
Wopke Hoekstra fordert stärkere Elektrifizierung, mehr erneuerbare Energien, Wärmepumpen, zusätzliche Interkonnektoren und den Ausbau der Kernenergie; LNG bleibe nur eine Übergangslösung.
Nach Angaben des EU‑Klimakommissars Wopke Hoekstra muss die Europäische Union ihre Energiepolitik deutlich verschärfen, um resilientere und unabhängige Versorgungsstrukturen zu schaffen. In einem Interview nannte Hoekstra einen breiten Energiemix als Schlüssel: stärkere Elektrifizierung, ein höherer Anteil erneuerbarer Energien, mehr Wärmepumpen, zusätzliche Interkonnektoren zwischen den Mitgliedstaaten und ein Ausbau der Kernenergie. Dieses Bündel solle Europa weniger anfällig für externe Schocks machen.
Zugleich zog Hoekstra Lehren aus historischen Ölkrisen und der aktuellen geopolitischen Lage, die den Kontinent weiterhin verwundbar halte. Der Ausstieg aus russischem Gas habe zwar eine strategische Neuausrichtung bedeutet, zugleich aber neue Abhängigkeiten geschaffen, etwa von US‑ und qatariischem LNG. Diese Lieferbeziehungen bieten seiner Einschätzung nach keine vollkommene Sicherheit, weshalb er verstärkt auf heimische und diversifizierte Energiequellen drängt, um Preis‑ und Versorgungsrisiken für Bürger und Unternehmen zu senken.
Gleichzeitig warnte Hoekstra vor den sozialen Folgen anhaltend hoher Energiepreise. Die jüngste Rohölpreisentwicklung habe Europa in ein drittes Ölschock‑Szenario katapultiert, das Unternehmen und Haushalte belastet und die Gefahr von Energiearmut erhöhe. Er forderte daher Maßnahmen, die Verbraucher vor übermäßigen Kosten schützen. In der außenpolitischen Dimension kritisierte Hoekstra das weitgehende Abrücken der USA von internationaler Klimakooperation, hob aber die vertieften Beziehungen der EU zu gleichgesinnten Ländern wie Norwegen, Kanada und Japan hervor.