EU setzt auf ‚De‑Risking‘ gegenüber China und will Abhängigkeiten eindämmen
Kommission stuft Handel mit China als nicht nachhaltig ein und will Lieferketten gezielt diversifizieren
- EU-Kommissare einigten sich auf De‑Risking
- konkrete Vorschläge sollen im dritten Quartal folgen.
Nach Angaben von EU-Vertretern diskutierten Kommissionsmitglieder am 29. Mai Maßnahmen, mit denen europäische Industrien gegen den starken Zuwachs chinesischer Importe geschützt werden sollen. Die Kommission beurteilte den aktuellen Zustand der Handels- und Investitionsbeziehungen mit China als nicht nachhaltig und sprach sich klar für einen De‑Risking-Ansatz statt für eine umfassende Entkopplung aus.
Im Mittelpunkt steht die Forderung, Unternehmen stärker zu einer Diversifizierung ihrer Lieferketten zu bewegen. Zugleich wurden Pläne erörtert, Pekings Zugang zu bestimmten EU-Märkten gezielt einzuschränken, etwa in Bereichen wie Chemikalien, Metalle und erneuerbare Energien. Konkrete Vorschläge sollen im dritten Quartal vorgelegt werden, nach dem EU‑Gipfel im Juni.
Nach dem Schritt beruhten die Debatten auf deutlichen Alarmzeichen in den Lieferbeziehungen: 2025 belief sich das Handelsdefizit der EU mit China auf 359,9 Milliarden Euro, ein Anstieg gegenüber 2024. Eine Kommissionsstudie aus 2024 identifizierte 204 Güter mit Abhängigkeiten; bei 64 dieser Güter stammte ein Drittel der Lieferungen aus China. Besonders hoch sei die Konzentration bei Schlüsseltechnologien und Vorleistungen.
Zugleich bewerteten Experten die Entwicklung als Folge langfristiger chinesischer Industriepolitik und einer europäischen Schwerpunktsetzung auf Effizienz vor Resilienz. Europäische Think‑Tanks warnten, dass effektives De‑Risking sowohl politisches Engagement als auch gezielte Investitionen erfordere, während infrastrukturelle und fachliche Lücken in Europa ein schnelles Aufholen erschweren.
Unterdessen markiert die Entscheidung für De‑Risking einen Bedeutungswandel: Abhängigkeiten werden nicht mehr nur als handelswirtschaftliches Problem gesehen, sondern als Frage der Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheit. Wie wirkungsvoll die geplanten Maßnahmen sein werden, bleibt bis zur Vorlage konkreter Gesetzesvorschläge in den kommenden Monaten offen.