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Europa steht vor möglicher Jet‑Fuel‑Knappheit nach Schließung der Straße von Hormus

Starke Kerosinpreissteigerungen und massiv reduzierte Seetransporte erhöhen das Risiko von Flugausfällen, Treibstoffzuschlägen und Kapazitätskürzungen in Europa.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Europa steht vor möglicher Jet‑Fuel‑Knappheit nach Schließung der Straße von Hormus
Analysten sehen die physische Verfügbarkeit von Jet Fuel in Europa ab April/Mai zunehmend gefährdet.

Nach Angaben von Marktbeobachtern hat die faktische Schließung der Straße von Hormus infolge des Kriegs in der Region die Versorgung mit Jet Fuel deutlich verschärft. Seit den militärischen Angriffen am 28. Februar sind Kerosinpreise demnach um rund 95% gestiegen; dieser Preisschub setzt Airlines und Flughäfen unter erheblichen Druck und hat bereits zu Reisestreichungen geführt.

Im Mittelpunkt steht, dass die Straße von Hormus zuvor etwa 20% des globalen seewärtigen Rohölhandels abwickelte und einen großen Teil der Seetransporte in Richtung Europa ermöglichte. Mindestens 42% der seewärtigen Einfuhren in die EU‑27 und das Vereinigte Königreich passierten diesen Seeweg, wodurch die Schließung die Versorgungsketten für Raffinerieprodukte wie Jet Fuel besonders hart trifft. Die Internationale Energieagentur bezeichnete Kerosin als eines der am stärksten betroffenen Produkte.

Nach dem Schritt der IEA, einen Notfallbestand von 400 Millionen Barrel freizugeben, hängt Europas Spielraum nun eng an Lagerbeständen und alternativen Routen. Argus Media prognostiziert, dass die letzten Kerosinladungen, die vor der Schließung durch Hormus gingen, Anfang April in europäischen Häfen eintreffen werden; anschließend könnten die eingehenden Volumina deutlich zurückgehen, sofern keine gesicherten Alternativtransporte etabliert werden.

Zugleich fallen die Risiken regional unterschiedlich aus: Länder mit umfangreicher heimischer Raffineriekapazität dürften weniger exponiert sein als Staaten mit geringeren lokalen Beständen. Schätzungen auf Basis von Eurostat zeigen, dass verfügbare kommerzielle Kerosinvorräte in einigen Ländern mehrere Monate reichen könnten, während andere knapper ausgerichtet sind. Diese Verteilung beeinflusst, wie stark einzelne Flughäfen und Drehkreuze von Lieferengpässen betroffen sein könnten.

In der Folge haben Fluggesellschaften bereits reagiert. Eine skandinavische Airline kündigte an, im April mindestens 1.000 Flüge zu streichen, und Analysten erwarten, dass anhaltend hohe Treibstoffkosten zu zusätzlichen Zuschlägen, Fahrpreiserhöhungen und Kapazitätskürzungen führen werden, besonders bei unrentablen Verbindungen. US‑Exporte von Jet Fuel nach Europa stiegen im März, bleiben aber hinter früheren Importvolumina zurück, weshalb sie die Lücke kurzfristig nur begrenzt schließen dürften.

Unterdessen warnen Experten, dass Flughafenlager für Kerosin nicht beliebig ausgedehnt werden können; das System ist auf kontinuierliche Lieferungen über Raffinerien und Pipelines angewiesen. Schon kurze Unterbrechungen könnten daher rasch zu operativen Problemen an großen Drehkreuzen führen, was die Wahrscheinlichkeit steigender Streichungen und weiterer betrieblicher Einschränkungen erhöht.