EZB-Vize: Risiko einer Marktkorrektur ist erhöht, während Aktien neue Rekorde erreichen
EZB-Vize De Guindos mahnt, dass geopolitische Unsicherheit, hohe Marktbewertungen und Verwundbarkeiten im Nichtbanken‑Sektor das Risiko einer Kurskorrektur in Europa erhöhen.
Nach Angaben von Luis de Guindos, Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, ist das Risiko einer Marktkorrektur angesichts neuer Rekordstände an den Aktienmärkten derzeit erhöht. Er verwies in einem Interview auf mehrere zusammenwirkende Faktoren, die die Empfindlichkeit der Märkte steigerten: geopolitische Spannungen, hohe Bewertungen und strukturelle Schwächen bei Nichtbanken.
Im Mittelpunkt seiner Warnung stand die anhaltende Unsicherheit über den Verlauf des Krieges im Iran. De Guindos machte deutlich, dass die Märkte offenbar oft auf eine rasche Beendigung des Konflikts setzen; sollte sich diese Erwartung als falsch erweisen, könne dies zu einer Neubewertung von Risikoerwartungen und damit zu deutlichen Kursanpassungen führen. Diese geopolitische Komponente sehe er als zentrales Element der derzeitigen Finanzstabilitätsrisiken.
Zugleich wies der EZB‑Vize auf Risiken hin, die vom Nichtbanken‑Sektor ausgehen, insbesondere von Akteuren in privaten Märkten wie Private‑Credit‑ und Private‑Equity‑Institutionen. Er nannte geringe Liquiditätspuffer, hohe Portfoliobewertungen und konzentrierte Expositionsprofile als Problemfaktoren. In einem breit angelegten Marktstress könnten diese Schwächen Zwangsverkäufe begünstigen und über Verflechtungen Stress in das breitere Finanzsystem übertragen.
Daneben betonte de Guindos, dass die Kombination aus geopolitischen, fiskalischen und makrofinanziellen Risiken die Marktstimmung zusätzlich belasten könne. Er verwies auf die Möglichkeit, dass anhaltender geostrategischer Druck und bestehende Fiskalherausforderungen die Risikobereitschaft reduzieren und zu einer Neubewertung banken‑ und sovereigner Risiken führen könnten.
Nach dem Schritt, die Geldpolitik zu beurteilen, unterstrich der EZB‑Vize die Notwendigkeit eines ausgewogenen Vorgehens: Die Notenbank müsse zwischen dem Ziel der Inflationsbekämpfung und den Risiken für Wachstum sowie Finanzstabilität abwägen. Die EZB hält ihren Leitzins vorerst bei 2 Prozent; sämtliche für die Sitzungen relevanten Indikatoren würden nach seinen Angaben berücksichtigt, um die weitere geldpolitische Richtung zu bestimmen.