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Gaza: Schülerinnen und Schüler müssen Tawjihi-Prüfungen in Zelten und beschädigten Gebäuden ablegen

Mit fast allen Schulen außer Betrieb und Hunderttausenden ohne Präsenzunterricht sollen die offiziellen Tawjihi‑Prüfungen in Gaza trotz massiver Zerstörung und Mangelausstattung stattfinden.

Euronews 2 Min Lesezeit
Titelbild: Gaza: Schülerinnen und Schüler müssen Tawjihi-Prüfungen in Zelten und beschädigten Gebäuden ablegen
  • Die Tawjihi‑Prüfungen sind für den 20. Juni bis 8. Juli terminiert
  • UNICEF geht davon aus, dass über 91 Prozent der Bildungseinrichtungen umfassend reparaturbedürftig sind.

Nach Angaben aus Gaza laufen Vorbereitungen, damit Schülerinnen und Schüler die Tawjihi‑Prüfungen vom 20. Juni bis 8. Juli ablegen können, obwohl nahezu alle Bildungsstätten im Gazastreifen beschädigt oder unbrauchbar sind. Hunderte Prüfungsräume sollen in Zelten, teilweise zerstörten Gebäuden und in Einrichtungen für Vertriebene eingerichtet werden, um die Prüfungen unter den gegebenen Bedingungen zu ermöglichen.

Im Mittelpunkt der Planungen steht die Beschaffung der minimalen Ausstattung: Stühle, grundlegende Schreibmaterialien und einfache Prüfungsräume. Die Bildungsverwaltung versucht, wenigstens die nötigsten Rahmenbedingungen bereitzustellen, damit die Abiturientinnen und Abiturienten ihre Prüfungen unter vergleichsweise geordneten Bedingungen ablegen können – trotz erheblicher logistischer und infrastruktureller Einschränkungen.

Zugleich wurde die Registrierung ausgeweitet: Neben den aktuellen Prüflingen können auch jene antreten, die in den Jahren 2023, 2024 und 2025 die Abschlussanforderungen nicht erfüllen konnten. Damit sollen zwei aufgelaufene Jahrgänge berücksichtigt und Bildungsabbrüche zumindest teilweise kompensiert werden; zentralgaza beherbergt dabei einen erheblichen Anteil der betroffenen Schülerinnen und Schüler.

UNICEF schätzt, dass 91,8 Prozent der Bildungseinrichtungen in Gaza vollständige Rekonstruktion oder umfangreiche Rehabilitation benötigen. Mehr als 740 Schulen sind demnach komplett außer Betrieb, zahlreiche weitere Gebäude dienen als Notunterkünfte für Binnenvertriebene. Vor diesem Hintergrund fehlte vielen jungen Menschen über zwei Jahre lang regulärer Präsenzunterricht, was den Rückstand im Lernprozess deutlich vergrößert.

Lehrkräfte vor Ort schildern die Lage als beispiellos: Einige Schulen sind praktisch zerstört, Unterricht findet teils in Zelten oder auf dem Boden statt. Beobachtet wird zudem erhebliche psychische Belastung bei Schülerinnen und Schülern, besonders in den unteren Jahrgängen. Pädagoginnen und Pädagogen versuchen, psychosoziale Unterstützung in die verbleibenden Bildungsangebote zu integrieren, um zumindest Teile normaler Lernroutinen wiederherzustellen.

Die territoriale Verschiebung der Schülerschaft verschärft bestehende Ungleichheiten. Mehr als die Hälfte der Binnenvertriebenen‑Schülerinnen und ‑Schüler konzentriert sich im Süden des Gazastreifens, während im Norden noch rund 35 Prozent verbleiben. Gleichzeitig hat die hohe Zahl getöteter Lehrkräfte und Hochschulmitarbeitender seit Beginn des Krieges die personelle Basis des Bildungswesens zusätzlich stark geschwächt.