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Hunderte Unternehmen in Europa durch neue B‑Corp-Standards gefährdet

B Lab hat die umfassendste Überarbeitung der B‑Corp‑Zertifizierung in 19 Jahren vorgestellt; Unternehmen müssen künftig in einem von sieben Bereichen verbindliche Mindeststandards erfüllen und sich extern prüfen lassen.

JKCM News Redaktion 2 Min Lesezeit
Titelbild: Hunderte Unternehmen in Europa durch neue B‑Corp-Standards gefährdet
Die Reform, beschleunigt durch Änderungen des EU‑Rechts, könnte zahlreiche derzeit zertifizierte Firmen vor die Aufgabe stellen, ihre Praktiken nachzuweisen oder nachzubessern.

Nach Angaben von B Lab wurde das Verfahren zur Vergabe des B‑Corp‑Labels grundlegend verschärft: Das bisherige System mit anrechenbaren Punkten über mehrere Bereiche ist aufgehoben. Künftig müssen Unternehmen in mindestens einer von sieben Prüfungskategorien nicht verhandelbare Mindestanforderungen erfüllen; die Einhaltung dieser Standards ist durch eine externe Prüfung zu verifizieren.

Im Mittelpunkt der Entscheidung stehen Berichte über Missstände in einzelnen zertifizierten Firmen sowie geänderte rechtliche Vorgaben in der EU, die verlangen, dass ethische Labels extern validiert werden. Fälle wie der Entzug der B‑Corp‑Zertifizierung für den schottischen Brauereikonzern BrewDog im Jahr 2022 hatten die Fragestellungen um die Aussagekraft des Labels öffentlich sichtbar gemacht und die Debatte über strengere Kriterien befeuert.

Nach dem Schritt sehen vor allem größere Unternehmen zusätzliche Anforderungen auf sich zukommen. Sie müssen künftig unter anderem ihre Steuerpolitik offenlegen und wissenschaftlich fundierte Emissionsziele für alle Geschäftsbereiche formulieren. Das gilt selbst für Firmen, die nach dem alten System hohe Punktzahlen erreichen; als Beispiel wird eine Privatbank mit einem hohen Score genannt, die wegen ihrer Investments in fossile Brennstoffe mögliche Anpassungen prüfen muss, bevor eine erneute Zertifizierung ansteht.

Zugleich zeigen die Daten, dass einige B Corps nach den bisherigen Maßstäben sehr gut abschneiden: Eine schottische Textilfirma kommt demnach auf mehr als 200 Punkte und gilt als vergleichsweise krisenfest gegenüber den neuen Anforderungen. Branchenbeobachter sehen in der Standardverschärfung den Versuch, das Label langfristig relevanter zu machen, auch wenn dies kurzfristig zahlreiche Unternehmen zwingt, ihre Nachhaltigkeits‑ und Governance‑Praktiken nachzuschärfen.

Daneben deutet eine Auswertung der vorhandenen Score‑Daten darauf hin, dass viele Firmen nahe der bisherigen Schwelle liegen und deshalb besonders betroffen sein könnten. Einige Unternehmen müssen demnach ihre internen Prozesse und Nachweise deutlich verbessern, um die neuen non‑negotiable Kriterien zu erfüllen und ihre Zertifizierung bei der kommenden Überprüfung zu verteidigen.

Inzwischen ist klar, dass die Überarbeitung die Anforderungen an Transparenz und externe Validierung erhöht. Unternehmen mit laufender Zertifizierung haben Zeit bis zu ihrer nächsten Rezertifizierung, müssen sich jedoch auf zusätzliche Prüfungen und mögliche Anpassungen ihrer Geschäftspraxis einstellen.