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Jedi-Chef Loesekrug-Pietri warnt: KI verändert Kriegsführung grundlegend

André Loesekrug-Pietri sieht im großflächigen Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Golfkonflikt einen Wendepunkt und kritisiert Europas Rüstungsstrategie sowie die aktuellen Beschaffungsprioritäten.

Handelsblatt 2 Min Lesezeit
Titelbild: Jedi-Chef Loesekrug-Pietri warnt: KI verändert Kriegsführung grundlegend
  • Die Plattform Maven, an der Palantir führend beteiligt ist, beschleunige militärische Entscheidungen
  • Europa müsse gemeinsame Datenräume und KI-Systeme schaffen.

Nach Angaben von André Loesekrug-Pietri, dem Chef der europäischen Innovationsagentur Jedi, markiert der breit angelegte Einsatz von Künstlicher Intelligenz im aktuellen Golfkonflikt eine grundsätzliche Zäsur für die Kriegsführung. Genannt wird dabei die Plattform Maven, an der Palantir federführend beteiligt sei; sie erhöhe die Geschwindigkeit militärischer Entscheidungsprozesse erheblich. Schneller ablaufende Informationsverarbeitung und automatisierte Zielauswahl veränderten demnach die Dynamik auf dem Schlachtfeld.

Im Mittelpunkt seiner Kritik steht die Anpassungsfähigkeit europäischer Beschaffungsprogramme an diese neue Wirklichkeit. Loesekrug-Pietri bemängelt, dass erhebliche Mittel weiterhin in Projekte fließen, die traditionelle Konzepte weiterdenken statt radikal neu zu denken. In diesem Kontext warnt er vor dem Weiterführen von Programmen, die sich an bewährten Herstellern und konventionellen Plattformen orientieren; solche Entscheidungen lieferten keine Antworten auf die Herausforderungen autonomen und vernetzten Einsatzes.

Zugleich weist er konkret auf die Verletzlichkeit schwerer Panzerformationen in einer von Drohnen und autonomen Systemen geprägten Einsatzumgebung hin. Panzerkolonnen könnten demnach in einer solchen Drohnenlandschaft besonders gefährdet sein, weshalb der frühere Berater im französischen Verteidigungsministerium ein Umsteuern in der Priorisierung fordert. Es mangele an Bereitschaft, ineffiziente Projekte konsequent zu beenden, weshalb Ressourcen an der falschen Stelle gebunden blieben.

Daneben fordert Loesekrug-Pietri ein gemeinsames europäisches Vorgehen beim Aufbau von Dateninfrastrukturen und KI-Systemen, um strategische Autonomie gegenüber den USA und China zu erhöhen. Er kritisiert zudem einzelne Großprojekte wie die Eurodrohne als zu teuer und zu spät; stattdessen sollten Staaten kollaborative Datenräume und interoperable KI-Lösungen entwickeln. Nur so lasse sich seiner Ansicht nach die operative Handlungsfähigkeit Europas in einem sich rasant wandelnden sicherheitspolitischen Umfeld sichern.