JKCM News
Startseite
Europa

Kommentar: Europa kann nicht auf eine Rückkehr zur Normalität in den USA nach Trump setzen

Guardian‑Kolumnist Rafael Behr warnt, dass Trumps wiederholte Untergrabung demokratischer Normen und seine autoritäre Führung Europa vor dauerhafte strategische Herausforderungen stellt.

Rafael Behr 2 Min Lesezeit
Titelbild: Kommentar: Europa kann nicht auf eine Rückkehr zur Normalität in den USA nach Trump setzen
Behr mahnt, Europa müsse sich auf anhaltende Unsicherheit in der transatlantischen Beziehung einstellen und dürfe nicht allein auf eine baldige Rückkehr zur früheren US‑Außenpolitik setzen.

Nach Angaben des britischen Kommentators Rafael Behr darf Europa nicht darauf bauen, dass die USA nach einer möglichen zweiten Trump‑Präsidentschaft zu einem verlässlicheren außenpolitischen Kurs zurückkehren. Er schildert einen fortschreitenden Zerfall politischer Normen in den USA, der die transatlantischen Beziehungen nachhaltig verändert und in Europa strategische Unsicherheit verankert.

Im Mittelpunkt seiner Analyse steht die These, dass Donald Trump als Präsident die bisherigen verfassungsrechtlichen Grenzen ausheble. Behr betont, dass dieses Verhalten nicht nur innenpolitische Risiken schaffe, sondern auch die Spielräume für enge Abstimmung mit Verbündeten erheblich reduziere. Teilangleichung an Washington erscheine unmöglich, weil Trump vollständige Unterwerfung verlange; Kommunikationsdruck und aggressive Rhetorik gegenüber europäischen Politikern gehörten zu den Symptomen dieser Entwicklung.

Zugleich beschreibt Behr die praktische Reaktion Europas auf diese Realität: Eine Mischung aus Beschwichtigung, Nachgiebigkeit und defensiver Stärkung habe sich eingestellt. Viele Staaten hätten ihre Verteidigungshaushalte neu bewertet, teils um Moskau abzuschrecken, teils um den Forderungen Washingtons nach höheren Beiträgen entgegenzukommen. Diese Anpassungen folgten einem strategischen Kalkül, dienten aber laut Behr zugleich der Beruhigung gegenüber einem unberechenbaren Partner.

Daneben warnt Behr davor, das Erschütternde an Trumps Politik für vorübergehend zu halten. Er sieht demokratische Institutionen in den USA wiederholt angegriffen und daher weniger verlässlich als früher. Eine automatische Rückkehr zur alten Verlässlichkeit sei deshalb nicht garantiert; Europa müsse seine Sicherheitsarchitektur und seine strategische Autonomie realistischer bewerten und längerfristig planen.

Unterdessen hebt die Kolumne hervor, dass das verlorene Vertrauen in den transatlantischen Pfeiler europäischer Sicherheit sich nicht ohne Weiteres wiederherstellen lasse. Persistente anti‑pluralistische Strömungen innerhalb der amerikanischen konservativen Bewegung erschwerten multilaterale Kooperation langfristig. Für europäische Staaten folge daraus die Notwendigkeit, alternative Vorkehrungen zu treffen und ihre politischen Erwartungen an Washington anzupassen.