Kommentar: Warum Reiches Strommarkt-Pläne richtig sind
Feste EEG-Vergütungen entkoppeln Hunderttausende Photovoltaik-Anlagen von Börsenpreisen, verwischen Marktanreize und treiben die Kosten für den Staat nach oben.
- Negative Strompreise signalisieren Überangebot
- das gegenläufige Vergütungsmodell schwächt diese Signale und belastet das EEG-Konto.
Nach Angaben des Handelsblatts sind negative Strompreise kein bloßer Ausreißer, sondern ein deutliches Marktsignal für ein Überangebot an Elektrizität. Solche Preise sollten Wirtschaftsteilnehmer dazu veranlassen, ihr Verhalten anzupassen: Strom zu speichern, Lasten zeitlich zu verschieben oder die Produktion zu drosseln. Diese Reaktionen helfen gemeinhin, Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
Im Mittelpunkt des Problems steht jedoch eine zentrale Regelung: Betreiber von Hunderttausenden Photovoltaik-Anlagen auf Hausdächern erhalten nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) eine feste Vergütung je Kilowattstunde. Damit sind diese Anlagen gegenüber den kurzfristigen Börsenpreisen indifferent. Fällt der Marktpreis ins Negative, bleibt die staatlich garantierte Vergütung bestehen; folglich fehlt der finanzielle Anreiz, Erzeugung oder Verbrauch an die Marktsignale anzupassen.
Zugleich hat dieses System spürbare fiskalische Folgen. Weil Betreiber Anspruch auf die volle EEG-Vergütung behalten, auch wenn ihr Strom zu Zeiten sehr niedriger oder negativer Börsenpreise verramscht wird, entsteht ein Ausgleichsbedarf, der über das EEG-Konto abgewickelt wird. Das Konto muss regelmäßig aus dem Bundeshaushalt stabilisiert werden; je häufiger negative Preise auftreten, desto stärker wachsen die Belastungen für die Steuerzahler.
Daneben bleibt die Frage, wie sich eine marktnahe Steuerung in der Praxis umsetzen lässt, ohne Investitionsanreize für kleine Anlagen zu untergraben. Eine Neuausrichtung der Vergütungsarchitektur müsste deshalb sorgfältig ausgestaltet werden, um die gewünschte Preissensibilität zu fördern, ohne die dezentrale Energiewende zu gefährden. Klar ist: Wer die Marktmechanik stärken will, muss die finanziellen Signale so setzen, dass sie von allen Akteuren tatsächlich wahrgenommen werden.