Anthropic-Chef warnt vor 'Moment der Gefahr' nach Entdeckung tausender Softwarelücken durch Modell Mythos
Dario Amodei fordert rasches Handeln von Technologieunternehmen, Regierungen und Banken, nachdem Mythos nach Unternehmensangaben zehntausende Schwachstellen aufgezeigt hat.
- Anthropic sieht nur ein 6–12‑monatiges Zeitfenster, bevor Konkurrenz‑KI aufholt
- Mythos ist nur partnerseitig verfügbar.
Nach Angaben von Anthropic‑Chef Dario Amodei bleibt ein enges Zeitfenster, um die vom Konzernmodell Mythos entdeckten Schwachstellen in Software zu beheben. Auf einer Unternehmensveranstaltung warnte Amodei, künstliche Intelligenz habe eine Fülle bislang übersehener Sicherheitslücken zutage gefördert; es gebe grob sechs bis zwölf Monate, bevor vergleichbare Systeme aus China aufholen könnten.
Im Mittelpunkt der Darstellung stand die hohe Trefferquote von Mythos im Vergleich zu früheren Systemen. Während ein früheres Modell von Anthropic rund 20 Schwachstellen im Firefox‑Browser entdeckt hatte, habe Mythos fast 300 einzelne Befunde geliefert. Addiert über die geprüften Softwarebestände liege die Gesamtsumme inzwischen in den zehntausenden, so die Angaben des Unternehmens. Viele dieser Lücken seien noch ungepatcht und deshalb bislang nicht öffentlich gemacht worden.
Zugleich hob Amodei die möglichen Folgen für besonders sensible Bereiche hervor. Er nannte Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser und Finanzinstitute als potenzielle Ziele; sollten Angreifer die ungepatchten Schwachstellen ausnutzen, drohe eine Zunahme von Angriffen und finanziellem Schaden. Aus Sorge vor Missbrauch habe Anthropic den Zugang zu Mythos auf einige Partnerfirmen beschränkt, teilte das Unternehmen mit. Bei der Veranstaltung trat zudem JPMorgan‑Chef Jamie Dimon auf.
Unterdessen ließen Amodei und Dimon trotz der Warnungen auch vorsichtigen Optimismus erkennen. Amodei sprach von einer 'Phase der Gefahr', die bei richtiger Reaktion in ein besseres Ergebnis umschlagen könne, weil es nur eine begrenzte Anzahl noch zu findender Fehler gebe. Dimon bezeichnete die durch KI entstandenen Cyberrisiken als eine vorübergehende Übergangsperiode. Beide betonten die Notwendigkeit praktischer Aufsichtsmechanismen; Amodei verglich die gewünschte Regulierung mit Sicherheitsanforderungen in der Automobilbranche, um zugleich Wettbewerb und Verbraucherschutz zu gewährleisten.
Nach dem Schritt, neue Produkte vorzustellen, nutzte Anthropic die Veranstaltung auch zur Geschäftsanbahnung. Das Unternehmen kündigte zehn neue KI‑Agenten für Investmentbanking und Back‑Office‑Aufgaben sowie eine Integration in Microsoft Office an und sieht darin einen Schritt zur Stärkung seiner Position im Enterprise‑AI‑Markt.