Kommission: 518 Menschen nach Unruhen in Tansania gestorben
Erstmals nennt die Untersuchungskommission eine offizielle Opferzahl nach den Protesten im Anschluss an die Wahl 2025, bleibt aber bei der Frage nach der Verantwortung vage.
Nach Angaben der von Präsidentin Samia Suluhu Hassan eingesetzten Kommission sind bei den Unruhen nach der Parlaments- und Präsidentschaftswahl im Oktober 2025 insgesamt 518 Menschen durch unnatürliche Ursachen ums Leben gekommen. Der Vorsitzende der Untersuchungskommission, Mohamed Chande Othman, teilte mit, dass darunter 197 Personen seien, die durch Schusswaffen getötet wurden. Dies ist die erste offizielle Gesamtzahl der Opfer seit den Protesten.
Im Mittelpunkt der Präsentation stand jedoch nicht die Zuweisung von Verantwortung: Othman nannte keine unmittelbaren Täter oder Verantwortlichen für die Todesfälle und forderte stattdessen weitergehende strafrechtliche Ermittlungen. Zugleich wies er darauf hin, dass die Opferzahl höher liegen könne, weil offenbar einige Verstorbene ohne Meldung bestattet worden seien. Von den identifizierten Opfern seien 490 Männer, 21 Kinder und 16 Angehörige der Sicherheitskräfte.
Zugleich begrüßte Präsidentin Samia den Bericht und sagte, die Ergebnisse hätten das Land erschüttert; die Regierung wolle daraus Lehren ziehen. Sie verteidigte das Vorgehen der Sicherheitskräfte und kündigte die Einrichtung einer strafrechtlichen Ermittlungsstelle an, die Verbrechen im Zusammenhang mit den Unruhen — etwa Plünderungen, Sachbeschädigung, Entführungen und Todesfälle — untersuchen solle. Die angekündigte Stelle solle auch Todesfälle von Kindern, Angaben zu vermissten Personen und behauptete Fälle von Entführungen prüfen.
Daneben hatten Oppositionsparteien und Menschenrechtsgruppen zuvor von einer brutalen Niederschlagung durch Sicherheitskräfte gesprochen und deutlich höhere Opferzahlen genannt. Die führende Oppositionspartei Chadema kritisierte den Bericht als Versuch, Regierungsverbrechen zu vertuschen und bezeichnete die Ergebnisse als unzureichend. Internationale Beobachter hatten bereits nach der Wahl Bedenken zur Transparenz des Wahlprozesses geäußert.