Langzeitfolgen von COVID könnten EU‑Wirtschaften jährlich bis zu €115,3 Mrd. kosten
OECD‑Modellrechnungen sehen anhaltende Produktivitätsverluste, hohe Gesundheitsausgaben und deutliche Folgen für Beschäftigung und Bildung in mehreren europäischen Staaten.
- Langzeitfolgen schmälern Arbeitsmarktpartizipation und Produktivität
- direkte Behandlungskosten bleiben bis mindestens 2035 substanziell.
Nach Angaben einer internationalen Analyse könnten die jährlichen wirtschaftlichen Schäden durch Long COVID in den kommenden zehn Jahren für die OECD‑Staaten, darunter 21 EU‑Mitglieder, zwischen etwa €58,5 Milliarden und €115,3 Milliarden liegen. Die Spannweite ergibt sich demnach aus unterschiedlichen Annahmen zur Dauer und Schwere der Erkrankung sowie deren Effekten auf Beschäftigung und Produktivität.
Zugleich beschreiben die Projektionen verschiedene Pfade bis 2035: Unter besonders günstigen Voraussetzungen bleiben die jährlichen BIP‑Verluste nahe null, realistischer erscheinen jedoch permanente Einbußen in der Größenordnung von 0,1 bis 0,2 Prozent des BIP. In ihrer Höhe entsprechen diese Verluste nach der Analyse etwa den gesamten jährlichen Gesundheitsausgaben einzelner Länder wie den Niederlanden oder Spanien.
Inzwischen bleiben die direkten Gesundheitsausgaben für die Versorgung von Long‑COVID‑Patienten auf einem hohen Niveau und könnten bis mindestens 2035 bei rund €9,5 Milliarden pro Jahr liegen. Die Studie hebt zudem hervor, dass eine Infektion mit SARS‑CoV‑2 das Risiko für eine Reihe chronischer Folgeerkrankungen erhöht — darunter kardiovaskuläre Leiden, Diabetes, neurologische Defizite und Autoimmunerkrankungen —, die zusätzliche Belastungen für Gesundheitssysteme und öffentliche Haushalte mit sich bringen könnten.
Gleichzeitig zeigen sich bereits konkrete soziale und wirtschaftliche Auswirkungen: Global waren 2021 nach den Angaben etwa 75 Millionen Menschen von Long COVID betroffen. Für 2026 nennt die Analyse Prävalenzschätzungen von etwa 1,1 Millionen Betroffenen in Bulgarien, 1,4 Millionen in Ungarn und 1,2 Millionen in Tschechien. Etwa jeder fünfte erkrankte Erwerbstätige erfährt demnach fünf Jahre nach Ausbruch der Pandemie Störungen in Beschäftigung oder Produktivität, etwa durch Arbeitsausfall oder reduzierte Leistungsfähigkeit.
Daneben verfügt nur eine Minderheit der betrachteten EU‑Staaten bislang über strukturierte Versorgungspläne: Österreich, Belgien, Frankreich, Deutschland, Luxemburg und die Niederlande werden als Ausnahmen genannt, weil sie klinische Konsense und Versorgungswege für Long‑COVID‑Patienten skizziert haben. Die Studie betont, dass verbesserte Diagnostik, spezialisierte Behandlungsangebote und soziale Unterstützungsmaßnahmen die Rückkehr Betroffener in den Arbeitsmarkt erleichtern und damit wirtschaftliche Verluste abmildern können.
Abschließend warnt die Auswertung, dass bisherige Schätzungen nicht alle langfristigen Folgen erfassen: Mögliche negative Auswirkungen auf die Entwicklung und Bildung von Kindern sowie spät auftretende chronische Begleiterkrankungen könnten zusätzliche, bislang nicht vollständig berücksichtigte Kosten verursachen. Als praktikable arbeitsmarktbezogene Maßnahme wird Forschung aus dem Vereinigten Königreich genannt, die flexible Arbeitszeiten und Home‑Office als wirksame Unterstützungsinstrumente empfiehlt.