Leaks: Szijjártó rief 2023 Lavrov während EU‑Gipfel an und bot Russland vertrauliche EU‑Texte an
Auf geleakten Aufzeichnungen soll Ungarns Außenminister Péter Szijjártó Russlands Sergey Lavrov über den Stand der Debatte zur Eröffnung von Beitrittsgesprächen mit der Ukraine informiert und angeboten haben, ein vertrauliches EU‑Dokument direkt nach Moskau weiterzuleiten.
Nach Angaben veröffentlichter Leaks rief Ungarns Außenminister Péter Szijjártó am 14. Dezember 2023 während eines EU‑Gipfels seinen russischen Amtskollegen Sergey Lavrov an und informierte ihn demnach über den Stand der Beratungen der Staats- und Regierungschefs zur möglichen Eröffnung von Beitrittsgesprächen mit der Ukraine.
Die veröffentlichten Aufzeichnungen bestehen aus Transkripten und Audiodateien, die mehrere investigative Medien verbreiteten. Dem Material zufolge verließ Szijjártó kurzzeitig den Sitzungssaal, um das Telefonat zu führen, während die übrigen 26 EU‑Staats- und Regierungschefs die Verhandlungen fortsetzten. In einer Passage der Aufnahmen äußert Lavrov demnach eine Formulierung über ‚gutgemeinte direkte Erpressung‘.
Gleichzeitig enthalten die Leaks eine Stelle, in der Szijjártó angeblich anbietet, ein als entscheidend bezeichnetes EU‑Dokument zu Kompromissformulierungen über Sprachrechte nationaler Minderheiten in der Ukraine weiterzuleiten. Dem Transkript zufolge sagte Szijjártó, er werde den Text an seine Botschaft in Moskau senden; von dort solle er an das Stabsteam von Lavrov gelangen.
Die Veröffentlichungen reichen über den Dezember 2023 hinaus. Ein weiteres Transkript vom 2. Juli 2024, in der Zeit der ungarischen Ratspräsidentschaft, dokumentiert demnach einen weiteren Anruf, in dem Szijjártó ein Treffen zwischen Ministerpräsident Viktor Orbán und Wladimir Putin in Moskau zu arrangieren versucht haben soll.
Unterdessen reagierte Szijjártó in Sozialen Medien auf die Leaks und bezeichnete die Veröffentlichung der Aufnahmen als ‚ungewöhnlich grobe und offene Geheimdienstintervention‘. Die Enthüllungen erschienen nur wenige Tage vor einer richtungsweisenden Parlamentswahl in Ungarn, in der die Haltung des Landes gegenüber Russland ein zentrales Thema der politischen Auseinandersetzung ist.
Daneben verweisen die Berichte auf frühere Hinweise, wonach Szijjártó bereits während Sitzungen des Rats für auswärtige Angelegenheiten Kontakte zu russischen Stellen aufgenommen haben soll. Die Gesamtheit des Materials stellt die Frage nach dem Umgang staatlicher Vertreter mit vertraulichen EU‑Diskussionen in den Mittelpunkt der Debatte.