Mehr als 70 Vermisste nach Kentern eines Migrantenbootes im zentralen Mittelmeer
Ein Boot mit rund 105 Menschen kenterte nach dem Auslaufen aus Libyen; 32 Überlebende an Land gebracht, zwei Tote geborgen, mehr als 70 gelten als vermisst.
- NGOs berichten, das Unglück ereignete sich in einem von Libyen betreuten Search‑and‑Rescue‑Gebiet
- Überlebende kamen nach Lampedusa.
Nach Angaben von Sea‑Watch und Mediterranea Saving Humans werden mehr als 70 Menschen nach dem Kentern eines Migrantenbootes im zentralen Mittelmeer vermisst. Das Schlauchboot war am Samstagnachmittag mit etwa 105 Menschen an Bord aus Libyen ausgelaufen, als es offenbar kenterte.
Rettungskräfte sowie Hilfsorganisationen konnten 32 Personen aus dem Wasser bergen; zwei Leichen wurden geborgen. Die übrigen Passagiere gelten weiterhin als vermisst. Mediterranea Saving Humans teilte mit, das Unglück habe sich in einem Such‑und‑Rettungsgebiet ereignet, das von libyschen Behörden betreut werde.
Zugleich gelang es zwei Handelsschiffen, Überlebende aufzunehmen und zur italienischen Insel Lampedusa zu bringen. Ein von Sea‑Watch veröffentlichtes Luftvideo zeigte zwei Männer, die sich an den Rumpf des gekenterten Bootes klammerten, und die Annäherung eines der kommerziellen Schiffe. Nach internationalem Seerecht sind Schiffe verpflichtet, Menschen in Seenot Hilfe zu leisten.
Mediterranea Saving Humans machte die restriktive Migrationspolitik europäischer Regierungen für das Unglück mitverantwortlich und forderte sichere und legale Wege für Schutzsuchende. Die NGO wies zugleich auf die anhaltenden Gefahren der zentralen Mittelmeerroute hin, an deren Ende häufig Lampedusa als wichtiger Ankunftsort steht.
Die Internationale Organisation für Migration verzeichnete seit Jahresbeginn 2026 mindestens 683 Todesopfer oder Vermisste auf See; die italienische Regierung meldete im gleichen Zeitraum 6.175 Ankünfte auf italienischem Boden. Diese Zahlen unterstreichen die dauerhafte Gefährdung von Menschen, die die Überfahrt über das zentrale Mittelmeer wagen.