Oman meldet Tankerangriff vor Musandam und Drohnen auf Hafen Duqm
Vor Omans Musandam‑Küste wurde ein Tanker angegriffen und der Industriehafen Duqm durch Drohnen getroffen, was die Sicherheitslage an der Einfahrt zur Straße von Hormus weiter verschärft.
- Omans Maritime Security Center meldet einen Angriff auf den Tanker SKYLIGHT nördlich von Khasab; mehrere Crewmitglieder wurden verletzt und evakuiert.
- Der Hafen Duqm wurde nach Angaben staatlicher Stellen von zwei Drohnen getroffen; ein Arbeiter wurde verletzt.
- Musandam liegt am Eingang der Straße von Hormus, die Oman und Iran gemeinsam kontrollieren.
- Die Vorfälle erhöhen den Druck auf Tankerlogistik, Umleitungen und Kriegsrisikoversicherung in der Region.
- Oman hat zunächst keine Angaben zur Ursache oder zu Verantwortlichen der Angriffe gemacht.
Oman ist erstmals direkt von Angriffen im Umfeld der eskalierenden Spannungen im Golf betroffen. Das Maritime Security Center des Sultanats meldete, dass der Tanker SKYLIGHT, unter Flagge von Palau, rund fünf Seemeilen nördlich des Hafens Khasab in der Provinz Musandam angegriffen wurde. Die 20‑köpfige Besatzung wurde nach Angaben der Behörden evakuiert; erste Informationen sprechen von vier Verletzten. Welche Waffe oder welcher Träger den Schaden verursacht hat, blieb zunächst offen.
Kurz darauf trafen zwei Drohnen die Infrastruktur des Industrie- und Handelshafens Duqm an Omans Arabischem Meer. Nach Angaben aus dem Sicherheitsumfeld schlug eine Drohne in eine mobile Unterkunft für Arbeitskräfte ein und verletzte einen ausländischen Mitarbeiter. Trümmerteile wurden zudem in der Nähe von Treibstofftanks gefunden; über weitere Schäden wurde zunächst nicht berichtet. Duqm ist als Logistik- und Industriecluster ein strategischer Standort, unter anderem für Raffinerie‑, Petrochemie‑ und Bunkerdienstleistungen abseits des unmittelbaren Persischen Golfs.
Die geografische Lage erhöht die Bedeutung der Vorfälle für den Energiemarkt. Musandam liegt an der Einfahrt zur Straße von Hormus, dem Nadelöhr, das den Persischen Golf mit dem offenen Meer verbindet und von Oman und Iran flankiert wird. In den Tagen zuvor hatten Reeder, Energiehändler und Versicherer ihre Risikoannahmen für die Region bereits verschärft; zusätzliche Zwischenfälle nahe der Einfahrt verstärken diese Dynamik. Selbst wenn einzelne Angriffe begrenzt bleiben, kann die kumulierte Unsicherheit zu Verzögerungen, Konvoifahrten, Umrouten oder zu faktischen Transitpausen führen.
Für Rohöl, Ölprodukte und LNG hängt die Wirkung weniger an der Schadenshöhe eines Einzelfalls als an der Frage, ob sich das Muster fortsetzt. Tanker können die Passage zwar theoretisch weiter nutzen, benötigen aber verlässliche Sicherheits- und Versicherungsdeckungen. Steigende Kriegsrisikoprämien wirken wie ein Aufschlag auf jede geladene Tonne und können kurzfristig auch die Bunker- und Hafenlogistik verteürn. Duqm gewinnt in einem solchen Umfeld zwar als Ausweichstandort an Relevanz, ist aber zugleich selbst exponiert, wenn sich Angriffe ausweiten.
Oman hat zunächst keine Verantwortlichen benannt und keine formelle Einschränkung der Schifffahrt kommuniziert. Für Marktteilnehmer zählen nun schnelle Klarheit über die Sicherheitslage, die Funktionsfähigkeit kritischer Hafen- und Treibstoffinfrastruktur sowie die Reaktion von Reedern und Versicherern. Sollte die Lage stabilisiert werden, könnten Transitströme schrittweise zurückkehren. Bei weiteren Vorfällen dürfte dagegen die Risikoprämie im Transport- und Energiesystem des Golfs hoch bleiben.