Péter Magyar besiegt Viktor Orbán – Tisza‑Partei erreicht verfassungsändernde Mehrheit
Nach 16 Jahren an der Spitze räumt Viktor Orbán die Niederlage ein; Péter Magyar und die Tisza‑Partei sichern sich nach Projektionen eine verfassungsändernde Supermehrheit und kündigen einen Kurswechsel an.
Nach Angaben der Auszählung hat die oppositionelle Tisza‑Partei unter der Führung von Péter Magyar die Parlamentswahl in Ungarn deutlich gewonnen; amtliche Projektionen geben der Bewegung 138 der 199 Sitze im Parlament. Viktor Orbán, der seit 2010 als Ministerpräsident regierte, räumte weniger als drei Stunden nach Schließung der Wahllokale seine Niederlage ein und gratulierte der siegreichen Partei.
Im Mittelpunkt der Ergebnisse steht eine klare Neuaufstellung der Mehrheitsverhältnisse: Mit 98,74 Prozent der ausgezählten Stimmen werden Fidesz 55 Mandate zugeschrieben, die rechtsextreme Partei Mi Hazánk sechs Sitze. Diese Sitzverteilung verschafft Magyar und seiner Tisza‑Partei eine formale Supermehrheit, die es ermöglicht, die Verfassung und zentrale Gesetze zu ändern und damit tiefgreifende politische Richtungsentscheidungen zu treffen.
Nach dem Schritt in die Öffentlichkeit stellte Magyar, 45 Jahre alt und früherer Insider mit Wurzeln in Fidesz, einen Richtungswechsel in Aussicht. Er versprach, die Beziehungen zu Brüssel wiederherzustellen, Korruption stärker zu bekämpfen und staatliche Mittel verstärkt in vernachlässigte öffentliche Dienste zu lenken. Beobachter werteten seine Ankündigungen als Signal für eine Neubewertung der außen‑ und innenpolitischen Ausrichtung Ungarns.
Zugleich zeigte sich in Budapest eine ausgelassene Wahlnacht: Tausende Menschen feierten an der Donau, und Magyar sprach vor jubelnder Menge. Orbán erklärte, seine Partei werde künftig in der Opposition tätig sein, und bedankte sich bei Unterstützern für die gemeinsame Zeit an der Regierung. Die Stimmung in der Hauptstadt spiegelte nach den Projektionen einen tiefgreifenden Wechselerwartung wider.
Daneben folgten internationale Reaktionen rasch; Politiker aus mehreren Ländern gratulierten und hoben die Bedeutung des Ergebnisses für die Stabilität demokratischer Verhältnisse in Europa hervor. Konkrete Zeitpläne für die von Tisza angekündigten Reformen wurden bislang nicht vorgelegt, sodass offenbleibt, wie schnell Änderungen bei Justizaufsicht, Haushaltsverteilung und der Kooperation mit der EU umgesetzt werden. Fest steht jedoch, dass die neue Mehrheit formal über die legislativen Instrumente verfügt, um weitreichende Neuerungen durchzusetzen.