Pro-russischer Ex‑Präsident Rumen Radev führt Umfragen vor Bulgarien‑Wahl an
Bulgaren wählen in der achten Parlamentswahl binnen fünf Jahren; Hauptthemen sind politische Stabilität und steigende Lebenshaltungskosten.
- Radev gab sein Präsidentenamt auf, um in die Politik zurückzukehren
- Umfragen sehen seine Partei klar vorn, doch eine Alleinregierung erscheint unwahrscheinlich.
Nach Angaben aus Sofia finden Bulgariens Bürger erneut eine Parlamentswahl statt – bereits die achte in fünf Jahren –, nachdem die Regierung im Dezember gestürzt worden war. Der Wahlkampf wird von Forderungen nach Stabilität und der Sorge um hohe Lebenshaltungskosten dominiert, Themen, die viele Wähler erschöpft und unzufrieden zurücklassen.
Im Mittelpunkt der Abstimmung steht der frühere Präsident Rumen Radev. Der Ex‑Kampfpilot mit pro‑russischer Ausrichtung trat im Januar von seinem Amt zurück, um persönlich zu kandidieren. Seine Kampagne setzte auf gezielte Social‑Media‑Strategien und das Versprechen, Korruption zu bekämpfen und die Periode kurzlebiger Regierungen zu beenden.
Nach dem Schritt, das Präsidentenamt aufzugeben, zeigen Umfragen einen deutlichen Vorsprung für Radevs Mannschaft: Eine Erhebung prognostiziert rund 35 Prozent der Stimmen für Progressive Bulgaria. Ein derartiges Ergebnis wäre eines der stärksten für eine Einzelpartei der letzten Jahre, würde aber voraussichtlich nicht für eine absolute Mehrheit genügen. Die bisher dominierende Mitte‑Rechts‑Partei GERB von Ex‑Ministerpräsident Boyko Borissov liegt demnach deutlich dahinter.
Zugleich scheint die Wahlbeteiligung zuzunehmen. Eine Umfrage des Instituts Alpha Research prognostiziert eine Beteiligung von etwa 60 Prozent, fast doppelt so hoch wie die rund 34 Prozent bei der Wahl im Juni 2024. Viele Beobachter deuten diese Zunahme als Ausdruck der Unzufriedenheit mit dem politischen Establishment und als Wunsch nach handlungsfähigen Mehrheiten im Parlament.
Daneben bleibt die Außenpolitik ein Faktor im Wahlkampf: Radev hat sich gegen militärische Unterstützung für die Ukraine ausgesprochen und signalisiert den Wunsch nach praktischen Beziehungen zu Russland auf Basis von gegenseitigem Respekt. Für zahlreiche Wähler treten jedoch innenpolitische Fragen wie Wirtschaftslage und Korruptionsbekämpfung klar in den Vordergrund.
Gleichzeitig rückt die mögliche Koalitionsbildung in den Blick. Als potenzieller Partner für eine Regierungsbildung gilt das proeuropäische Bündnis We Continue the Change – Democratic Bulgaria (PP‑DB). Kritiker weisen darauf hin, dass Radev während seiner Präsidentschaft Verantwortung für Entscheidungen interimistischer Regierungen trug, darunter einen umstrittenen Gasvertrag aus 2023, der Untersuchungen nach sich zog.